Kommunismus, Kapitalismus und die Opfer des Systems

Dieser Text ist schon Anfang 2011 entstanden, in dieser Form aber noch nicht veröffentlicht wurden. Da er immer noch aktuell ist, möchte ich ihn an dieser Stelle veröffentlichen.

Auf der Mailingliste der Piraten hier in Berlin habe ich letztens eine interessante Diskussion mitbekommen. Auslöser war die Rede von Gesine Lötzsch, welche gerne neue Wege ausprobieren möchte, um den Kommunismus durchzusetzen. Doch das Wort „Kommunismus“ darf ja nicht mehr in den Mund genommen werden, schon gar nicht von der Chefin der Linkspartei. Das Problem daran ist nämlich, dass viele Menschen die ehemalige DDR und auch die damalige Sowjetunion mit dem Kommunismus gleichsetzen, also mit Systemen, die in der westlichen Welt das Böse verkörpert haben. Völlig außer Acht gelassen wird dabei allerdings, dass es weder in der DDR noch in der Sowjetunion jemals den Kommunismus gab. Den Kommunismus, so wie Marx ihn wollte, gab es noch nirgends auf der Welt und es wird ihn auch nicht geben können. Denn der Mensch ist immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Das würde im Kommunismus aber nicht funktionieren, im Kommunismus müsste der einzelne Mensch den Vorteil für die Gemeinschaft sehen, und nicht seinen eigenen.

Es gab Tode in der DDR, es gab auch viele Tode in der Sowjetunion, das möchte keiner abstreiten. Es waren meist Menschen betroffen, die gegen den Staat waren, die sich gegen die Partei gestellt haben, die ein anderes System wollten. Aber es waren keine Toten, die durch den Kommunismus verursacht wurden, es waren Tode, die durch den Machtanspruch einer einzigen Partei verursacht wurden, also durch Menschen, die ihren eigenen Vorteil erhalten wollten. Im Kommunismus würde es gar keine Parteien mehr geben, regierungsähnliche Strukturen sind nämlich gar nicht vorgesehen im Kommunismus. Das wäre allerdings nur möglich, wenn der Kommunismus weltumspannend eingeführt werden würde, denn überall, wo es noch einzelne Staaten gibt, gibt es auch eine Regierung, welche den Staat zumindest nach Außen vertritt.
Dem Kommunismus also die Schuld an dem Leid zu geben, welches durch Diktatoren verursacht wurde, ist somit gar nicht möglich, weil es dem Kommunismus nämlich noch gar nicht gab. Und es wird ihn auch nie geben! Wenn man schon Angst haben möchte, dann vor der Diktatur einer einzelnen Person, beziehungsweise einer einzigen Partei, egal ob sie sich hinter einer Demokratie oder sonst einer Staatsform versteckt.

Das mit den vielen Toten, es wird ja immer von mehreren Millionen geredet, möchte ich aber auch nicht unkommentiert stehenlassen. Es gab sie, soviel steht fest, aber man sollte seinen Blick öffnen, man sollte sich einmal die gesamte Welt ansehen und dabei einmal beachten, wie viele Menschen täglich sterben. Aber nicht nur wie viele, sondern auch warum sie sterben. Wenn man dann ehrlich zu sich ist, dann gesteht man sich auch ein, dass hier der Kapitalismus eine große Mitschuld dran hat. Es gibt deutsche Textilunternehmen, welche ihre Waren in Indien produzieren lassen. Zu Bedingungen, welche Menschenverachtender nicht sein könnten. Es gibt Unternehmen, welche in Afrika ihre Baumwolle anbauen, ohne dabei auf die Umwelt zu achten und auch ohne dabei auf die Menschen zu achten, welche durch die vielen eingesetzten Chemikalien krank werden und am Ende sogar sterben. Wir sollten also nicht vergessen, dass auch der Kapitalismus, welcher von vielen als heilig angesehen wird, seine Leichen im Keller hat und es sind ganz bestimmt nicht weniger, als der Kommunismus zu verantworten hat. Leider wird genau das immer wieder ausgeblendet, denn uns geht es ja super, wir haben unseren Wohlstand und wir argumentieren dann immer, dass es uns doch bedeutend bessergeht als den Menschen in Indien, oder denen in Afrika. Der Kapitalismus kann also gar nicht so schlimm sein, er muss doch etwas Positives sein, denn er bringt uns ja Wohlstand und ein langes Leben. Er gibt uns eben genau das, was er in anderen Regionen der Erde abzieht. Und genau das vergessen wir immer.

Es muss also ein noch viel besseres System als den Kapitalismus geben und um das zu finden, sollte man auch ruhig über den Kommunismus nachdenken, darüber nachdenken, was die Gesellschaft besser machen könnte und was der gesamten Erdbevölkerung Wohlstand und Gesundheit bringt. Dass der Kommunismus dies nicht sein wird, darüber sind wir uns sicher alle einig.

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2 Gedanken zu „Kommunismus, Kapitalismus und die Opfer des Systems

  1. oh, Wohlstand und Gesundheit für die totale Weltbevölkerung.
    Geht es nicht eine Nummer kleiner ? Diese Anspruch ist totalitär, und er ist kolonialistisch.

    Ja, es stimmt das Firmen aus den Industrialisierten Ländern in den Entwicklungsländern fertigen lassen, und das bei geringeren Kosten weil in diesen Ländern ein geringerer Lebensstandard herrscht.
    Daraus zu schließen das diese Firmen für den dortigen Lebensstandard verantwortlich sind täuscht.

    Die Menschen die für uns Schuhe und T-Shirts nähen oder Mobiltelefone zusammenbauen haben durchaus eine Alternative zu diese Tätigkeit.
    Sie können z.B. weiterhin für den Eigenverbrauch Landwirtschaft in ihren Dörfern betreiben. Nur bietet ihnen die Arbeit in der Industrie einen höheren Lebensstandard als ein Leben auf dem Dorf.

    Wenn Menschen aus den Industrialisierten Ländern diese Menschen als Opfer des Kapitalismus darstellen, ist das nichts anderes als die kolonialistische Vereinnahmung dieser Menschen um sich moralisch zu erhöhen.

    • Es ist totalitär und kolonialistisch vom Wohlstand und Gesundheit für alle zu träumen? Warum? Es kommt wohl darauf an, wie man Wohlstand definiert. Wenn man in Wohlstand den westlichen Standard sieht, dann mag das wohl ein wenig übertrieben sein. Wenn man im Wohlstand aber sieht, dass keiner mehr Hungern muss, keiner mehr unter Wasserarmut leidet und niemand mehr an Krankheiten sterben muss, die durch billige Medikamente geheilt werden können, dann verschiebt sich das Ganze schon wieder.

      Und wenn man sich eingesteht, dass das eigene Konsumverhalten eine Mitschuld trägt, dann kann man sich als Mensch nicht moralisch erhöhen, sondern man steht moralisch sehr weit unten.

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