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Meinungsschauspielerpodcast Nr.28: Irgendwas über Marx

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Der Christian war der Meinung, dass wir unbedingt etwas zu Karl Marx machen müssen, wo er in diesem Jahr doch 200 Jahre alt geworden wäre, wenn Menschen denn solange leben würden. Ich habe ihn da irgendwie zugestimmt und fand das Thema auch recht interessant, solange der Podcast noch in weiter Ferne war. Doch leider bleiben Podcasts nicht ewig weit entfernt und so fand ich das Thema immer schwieriger. Und jetzt, wo wir den Podcast aufgenommen haben, hatte ich gerade mal das Geburts- und das Todesdatum von Marx aufgeschrieben und ein paar Sprüche von ihm. Zum Glück war der Christian besser vorbereitet und so konnten wir auch diesen Podcast wieder mit ein paar Inhalten füllen.

Übrigens: Der Term, den ich am Ende des Podcasts suche, ist die schöpferische Zerstörung. Nur um das noch einmal kurz erwähnt zu haben.

Links:

Demokratie nur im Kapitalismus möglich?!

Im Tagesspiegel stellt Frau Weidenfeld die These auf, dass Demokratie ohne Kapitalismus unmöglich ist. Sie stellt zwar klar, dass der Kapitalismus wunderbar ohne Demokratie überleben könnte, aber die Demokratie eben nicht ohne Kapitalismus. Eine Interessante These, für die Frau Weidenfeld allerdings keinerlei Beweise bringt.

Im Kapitalismus ist wirkliche Demokratie nicht möglich!

Ich würde genau die gegenteilige These aufstellen. Ich behaupte, dass im Kapitalismus keine wirkliche Demokratie möglich ist. Viel zu stark ist der Einfluss des Kapitals auf die Entscheidungen der Volksvertreter. Wenn Vertreter des Kapitals Gesetze schreiben, um damit die eigenen Profite zu erhöhen, dann hat das wenig mit Demokratie zu tun. Wenn Herr Hartz Sanktionen für Arbeitslose einführt, um damit Druck sowohl auf die Erwerbslosen wie auch auf die Erwerbstätigen ausübt, dann hat das wenig mit Demokratie zu tun. Demokratie bedeutet nämlich nicht, dass das Kapital geschützt werden muss. Demokratie bedeutet auch nicht, dass die Profite des Kapitals optimiert werden müssen, sondern Demokratie soll jedem Menschen die Möglichkeit der freien Entfaltung geben.

Demokratie ist der Raum, in der gesellschaftliche Ideen in einen Wettkampf treten, um die Gesellschaft insgesamt besser zu machen. Sie soll dazu beitragen, dass die Menschen ein gutes und glückliches Leben führen können. Nicht nur einige wenige, sondern wirklich alle Menschen.

Die Frage ist jetzt, ist das im Kapitalismus möglich? Meiner Meinung nach nicht! Der Kapitalismus kann nur existieren, solange es Ungleichheiten gibt. Er existiert, weil es Menschen gibt, die ausgebeutet werden können, damit der Wohlstand einiger weniger vermehrt wird. Eine solche Ungleichheit wäre in einer wirklichen Demokratie gar nicht aufrecht zu erhalten!

Demokratie ist nur in einer solidarischen Gesellschaft möglich

Deswegen behaupte ich, dass eine wirkliche Demokratie nur in einer solidarischen Gesellschaft möglich wäre. Eine Gesellschaft, in der sich jeder Individuell entfalten kann, in der aber eben nicht der Egoismus der Leitgedanke ist, sondern die Solidarität. Eine Gesellschaft also, in der der Mensch nicht nur handelt, um sich einen persönlichen Vorteil zu verschaffen, sondern in der er handelt, damit alle Menschen in der Gesellschaft ein gutes Leben führen können.

Klar, von einer solchen Gesellschaft sind wir weit entfernt. Derzeit leben wir in einer Gesellschaft, in der Lobbyisten oder Konzerne selbst die Gesetze schreiben, um sich Vorteile zu verschaffen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Profit über alles steht, weswegen das Kapital geschont wird, obwohl es unglaubliche Schäden in der Gesellschaft und in der Natur anrichtet. Wirkliche Demokratie kann von einem solchen System – dem Kapitalismus – nicht abhängig sein.

Keine Agrarwende im Kapitalismus

Deutsche Verbraucher sind mal wieder im Panikmodus. Grund hierfür sind die vergifteten Eier, die derzeit millionenfach aus den Regalen genommen werden. Plötzlich können es sich viele Menschen wieder leisten, ihre Eier direkt aus der Region auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen beim Bauern des Vertrauens zu kaufen. Zurecht wird hier angemerkt, dass die Panik in ein paar Wochen wieder verflogen ist und die Menschen, die eigentlich das Geld für regionale Produkte haben – was ja durch die plötzliche Veränderung des Kaufverhaltens, die nicht durch Verzicht geprägt ist, bewiesen wurde – doch wieder auf die Eier beim Discounter zurück greifen. Oft genug wird dabei auch der Preis der Ware angesprochen, wobei mir dann aber eben die Differenzierung fehlt, denn auch in Deutschland gibt es Millionen von Menschen, die einfach nicht die finanziellen Mittel haben, um auf teurere Produkte zurück zu greifen. Und genau hier liegt das Problem, denn dadurch legitimiert sich das System der heutigen Lebensmittelproduktion. Da hilft auch nicht der Zeigefinger oder der Versuch, dem Konsumenten ein schlechtes Gewissen einzureden.

Die Lebensmittel im Discounter können nur so günstig angeboten werden, weil es einen Massenmarkt dafür gibt, weil nicht nur die Konsumenten diese Lebensmittel kaufen, die darauf angewiesen wären, sondern eben auch die, die sich eigentlich teurere Lebensmittel leisten könnten – weswegen das mit dem schlechten Gewissen auch nicht funktioniert. Nur durch diese Mischkalkulation und durch die vielen Subventionen funktioniert es, dass auch viele ärmere Menschen bei uns keinen Hunger erleiden müssen, wobei es natürlich auch in Deutschland immer noch Menschen gibt, die trotz dieser Mechanismen hungern müssen, wodurch eine weitere Legitimierung für die Lebensmittelproduzenten entsteht, noch preiswerter produzieren zu wollen. Und solange wir ein kapitalistisch geprägtes Wirtschaftssystem haben, werden wir aus dieser Art der Lebensmittelproduktion nicht entkommen.

Kleinbauern bräuchten ein anderes Wirtschaftssystem

Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Wende in der Lebensmittelproduktion nur dann gelingen kann, wenn die Legitimierung für die jetzige Produktionsweise fällt. Kleinbauern müssten es schaffen, die Menschen, mit geringen Einkommen, mit Lebensmitteln zu versorgen und gleichzeitig dadurch ihre eigene Existenz zu sichern. In einem kapitalistisch geprägten Wirtschaftssystem wird das aber nicht gelingen.

Selbst wenn die Entwicklung jetzt zu mehr lokalen Produkten gehen sollte, muss die Produktion so gestaltet werden, dass sie für den Massenmarkt tauglich ist, denn in einer Region leben ja meist mehrere Millionen Menschen und sie müsste zumindest soweit subventioniert werden, dass sich auch die Menschen mit geringen Einkommen diese Produkte leisten können. Kurz gesagt, es wird auch dann Großbetriebe geben und die Kleinbauern werden auch dann keine wirkliche Chance haben, um in diesem Wettbewerb zu überleben. Klar, die Produkte sind dann aus der Region, was für den Klimaschutz durch die kürzeren Transportwege super wäre, aber an den Grundvoraussetzungen der Lebensmittelproduktion hat sich dann nicht viel geändert.

Wer eine wirkliche Wende will, der muss sie tatsächlich von unten in Gang setzen. Und mit „von unten“ ist gemeint, dass sie durch die Menschen mit geringen Einkommen gestartet werden muss. Der Kleinbauer und der Mensch mit geringen Einkommen muss zusammenkommen. Gemeinsam müssen sie ein solidarisches Wirtschaftssystem entwickeln, mit dem die Existenz von beiden Seiten gesichert wird. Ein faires und gleichberechtigtes System, in dem beide Akteure auf Augenhöhe sind und niemand den anderen unter Druck setzen und somit Ausbeuten kann. Alles andere wird – meiner Meinung nach – nicht funktionieren.

Wer jetzt mit dem solidarischen Bauernhof kommt, der seine Existenz ja durch Menschen sichert, die jährlich bereit sind, einen bestimmt Betrag an die Bauern zu zahlen, hat das Problem noch nicht verstanden. Denn dieses System grenzt nicht nur Menschen mit einem geringen Einkommen aus, es schafft auch wieder ein ungleiches Verhältnis zwischen Bauern und Kapitalgebern. Wenn die Kapitalgeber mehr wollen, als der Bauer leisten kann, können sie ihre finanzielle Unterstützung einfach wieder einstellen und so den Bauern unter Druck setzen, der durch dieses Verhalten nämlich wieder in seiner Existenz bedroht wäre. Das ist nicht das System, was ich meine und es beseitigt auch nicht die oben genannte Legitimierung der derzeitigen Lebensmittelproduktion. Klar ist es ein Modell für Menschen mit ausreichend finanziellen Spielraum, um sich ein gutes Gewissen zu „erkaufen“ und einem Kleinbauern beim überleben zu helfen, aber es ist ein Modell für das heutige kapitalistische Wirtschaftssystem und somit nur ein Nischenprodukt.

Kriegseinsätze: Schuldig durch Unerlassen – Eine Antwort

„Schuldig durch Unterlassen“, so lautete in den letzten Tagen eine Überschrift in der TAZ. Es geht, wie so oft in letzter Zeit, um Kriegseinsätze gegen die IS und um die Schuld, die wir auf uns nehmen, wenn wir diese Kriegseinsätze unterlassen. Dabei führt Albrecht von Lucke so allerlei Zitate auf, welche die Kriegsgegner in ein schlechtes Licht rücken sollen, allerdings geht Herr Lucke nicht auf die Ursachen ein. Es sei denn er meint, die Gewalt mit dem Zitat von Alfred Fried erklären zu können. Dieser sagte wohl: „Die Ursachen der Kriege liegen in der Anarchie der internationalen Beziehungen.“.

Was er aber nicht erwähnt, ist, wer den IS aufgebaut hat und wieso die Kämpfer so stark sind. Es wird nicht erwähnt, dass die Saat für diesen Fanatismus durch Gewalt ausgebracht wurde und dass der Boden, auf dem diese Saat ausgebracht wurde, durch Perspektivlosigkeit gut gedüngt wurde. Auf der Suche nach einem besseren Leben klammern sich viele Menschen an ihrem Glauben. Sie sehen natürlich auch, dass es im „Westen“ einen gewissen Wohlstand gibt und sie wissen natürlich auch, dass der Kapitalismus auf Ausbeutung beruht. Da ist es nicht verwunderlich, dass es einigen wenigen Spinnern gelingt, Einfluss auf eine größere Menge von Menschen zu nehmen, wodurch der Fanatismus sich fortpflanzt.

Aber anstatt diese Ursachen einmal anzugehen und jedem Menschen eine Perspektive zu geben, indem ihm ein gutes Leben ermöglicht wird, suchen wir den Ausweg lieber in Gewalt. Die Medien meinen wirklich, dass die Gewaltspirale durchbrochen werden kann, wenn man sie immer wieder mit Gewalt bekämpft. Es werden weiterhin Häuser zerstört, Kinder getötet und Infrastrukturen zerstört, wodurch weitere Lebensgrundlagen zerstört, und weitere Menschen in den Fanatismus getrieben werden.

Der richtige Ansatz wäre jetzt aber, die kapitalistische Ausbeutung zu durchbrechen und die Umverteilung der lebensnotwendigen Ressourcen fair zu gestalten. Das kann nicht durch Gewalt geschehen! Gewalt bringt niemanden Essen, Gewalt bringt niemanden Wasser, Gewalt bringt auch niemanden Bildung oder Kleidung. Im Gegenteil, Gewalt zerstört Lebensgrundlagen und bestärkt dadurch den Fanatismus.

Aber eine Kritik am kapitalistischem System ist nicht erwünscht! Schließlich hat der Kapitalismus doch den Sozialismus besiegt und schließlich hat der Kapitalismus den Menschen im Westen doch eine Menge Wohlstand gebracht. Die Menschen müssen einfach härter Arbeiten, dann bringt auch ihnen der Kapitalismus diesen Wohlstand. Nicht beachtet wird dabei immer, dass der Wohlstand im Westen durch die Ausbeutung anderer Länder entstanden ist und nicht beachtet wird, dass der Kapitalismus ein Wettkampf um immer mehr Macht und Geld ist und dass dabei viele Menschen auf der Strecke bleiben, die sich dann radikalisieren.

Daran kann Gewalt nichts ändern! Sie kann eventuell die Radikalisierung für kurze Zeit unterdrücken, aber durch diese Unterdrückung wird noch mehr Gewalt aufgestaut und diese wird sich irgendwann, explosionsartig, ihren Weg nach draußen suchen.

Mir ist dabei bewusst, dass dies alles den Menschen nicht hilft, die gerade durch die IS bedroht werden. Mir ist bewusst, dass das alles derzeit nichts an dem ändert, was gerade in der Welt passiert. Aber wer meint, dass Gewalt jetzt die richtige Antwort ist, der muss sich auch Gedanken darüber machen, wie die Spirale der Gewalt langfristig durchbrochen werden kann, der muss Antworten darauf geben, wie die Perspektivlosigkeit durchbrochen werden kann und der muss jetzt damit anfangen, die Umverteilung in unserer Welt gerechter zu gestalten. Wer das nicht tut, wer also das Nachdenken unterlässt, der macht sich schuldig durch unterlassen und ist schuld am zukünftigen Fanatismus.

Ist ein grüner Kapitalismus möglich?

Am Mittwoch dem 07.05.2014 fand in der FU Berlin eine Podiumsdiskussion zum Thema „Ist ein grüner Kapitalismus möglich“ statt. Redner waren Prof. Dr. Birgit Mahnkopf und Prof. Dr. Markus Wissen, welche beide von der HWR Berlin sind. Diskutiert werden sollte über die Krise des Kapitalismus und über die katastrophalen Auswirkungen des Kapitalismus auf unsere Natur. Außerdem sollte es darum gehen, ob ein grüner Kapitalismus möglich ist oder nicht.

Um die Antwort gleich vorwegzunehmen, ein grüner Kapitalismus wäre möglich, aber auch er würde eben ein kapitalistisches System sein, welches neben Gewinner auch Verlierer braucht – welches also auch auf Ausbeutung setzen würde. Und auch ein grüner Kapitalismus hätte das Problem, dass er auf Ressourcen angewiesen ist. Und diese sind auch in einem grünen Kapitalismus endlich.

Ein Hauptproblem des Kapitalismus ist, dass alles auf Kosteneffizienz beruht. Was nicht genügend Profite abwirft, wird auch nicht gemacht. Das hat sicherlich auch gute Seiten, denn es gibt auch Dinge, die, wenn sie umgesetzt werden, in der Natur, einen sehr großen Schaden anrichten würden. Nur dieser Effekt wird irgendwann verpuffen, nämlich dann, wenn durch die Verknappung der Ressourcen die Preise soweit steigen, dass plötzlich diese Verfahren, die vorher zu teuer waren, einen Gewinn erwirtschaften können. Und dann ist dem kapitalistischen System der Umweltschutz ziemlich egal, was wir in den USA jetzt schon beim Fracking beobachten können.

Aber diese Kosteneffizienz ist es eben auch, die verhindert, dass die Unternehmen wertvolle Rohstoffe recyceln. Dadurch gehen zum Beispiel wertvolle Metalle verloren, welche auf unserer Erde nicht all zu oft vorkommen, die aber zum Beispiel für die Herstellung von Smartphones gebraucht werden. Dadurch werden Ressourcen zusätzlich verknappt, die, wie Prof. Dr. Birgit Mahnkopf erklärt hat, auch nur noch für wenige Jahre bzw. Jahrzehnte gefördert werden können, wenn nicht noch größere Vorkommen entdeckt werden. Vielleicht wird der Mensch auch irgendwann seine Rohstoffe im Weltraum abbauen können, aber bis es soweit ist, müssen wir mit den begrenzten Vorkommen auf der Erde auskommen.

Wie oben schon erwähnt, braucht auch ein grüner Kapitalismus diese Ressourcen. Windräder, Solarzellen und andere grüne Technologien bestehen ja bekanntlich nicht aus Luft. Deswegen ist es notwendig, dass ein Wirtschaftssystem entsteht, in welchem nicht der Profit im Mittelpunkt steht. Es muss ein Wirtschaftssystem sein, in welchem wichtige Rohstoffe recycelt werden, egal wie teuer dies ist und es muss ein Wirtschaftssystem sein, in welchem der Umweltschutz eine große Bedeutung hat. All das ist in einem kapitalistischen System nur bedingt möglich, denn all diese Maßnahmen würden in einem kapitalistischen System zu einer Kostenexplosion führen, die wiederum zur Folge hätte, dass noch mehr Menschen in Armut und Hunger leben müssten und dass viele Menschen einen noch schlechteren Zugang zu den wichtigsten und lebensnotwendigen Rohstoffen hätten.

Und natürlich würde ein grüner Kapitalismus weiterhin auf Ausbeutung aufbauen. Unser heutiger Wohlstand, unser Lebensstandard, ist nur möglich, weil in anderen Teilen der Welt Menschen ausgebeutet wurden und auch immer noch ausgebeutet werden. Der Wohlstand Europas und Amerikas beruht auf Sklavenarbeit, welche immer noch existiert, und er beruht auf der Armut von Menschen in Entwicklungsländern. Hinzu kommt die Ausbeutung der Rohstoffressourcen dieser Entwicklungsländer, die dem Rohstoffarmen Europa überhaupt erst die kapitalistische Produktionsweise ermöglichen.
Dies würde sich auch nicht ändern, wenn der Kapitalismus plötzlich grün werden würde. Ein neues System müsste also auch dafür sorgen, dass die Ressourcen und Waren fair verteilt werden. In einem solchen System darf es keinem besser gehen, weil andere Menschen ausgebeutet werden, weswegen es diesen schlechter geht. Und in einem solchen System wird auch die Frage gestellt werden müssen, was wir wirklich brauchen, um ein gutes Leben zu führen, denn wenn die Rohstoffe und Ressourcen fair verteilt werden, ist es nicht mehr möglich, dass wir in einer Gesellschaft leben, in welcher eine Überproduktion besteht. In einer solchen Welt wird es nicht mehr möglich sein, dass jeder vier Autos, drei Smartphones, fünf Tablets und was weiß ich alles, besitzt.

Ein grüner Kapitalismus ist zwar möglich, er wird aber nicht die Probleme des Kapitalismus lösen können. Er wird nicht dazu führen, dass plötzlich die Meere vom Müll befreit werden, weil dies keine Gewinne bringt. Er wird auch nicht die gesellschaftlichen Probleme lösen, die dieses System mit sich bringt und auf gar keinen Fall wird er das Verteilungsproblem lösen, welches auf unserer Erde vorherrscht. Ein grüner Kapitalismus erkauft dem Kapitalismus höchstens ein wenig mehr Zeit, aber ob es das wert ist, muss jeder für sich entscheiden.

Kommunismus, Kapitalismus und die Opfer des Systems

Dieser Text ist schon Anfang 2011 entstanden, in dieser Form aber noch nicht veröffentlicht wurden. Da er immer noch aktuell ist, möchte ich ihn an dieser Stelle veröffentlichen.

Auf der Mailingliste der Piraten hier in Berlin habe ich letztens eine interessante Diskussion mitbekommen. Auslöser war die Rede von Gesine Lötzsch, welche gerne neue Wege ausprobieren möchte, um den Kommunismus durchzusetzen. Doch das Wort „Kommunismus“ darf ja nicht mehr in den Mund genommen werden, schon gar nicht von der Chefin der Linkspartei. Das Problem daran ist nämlich, dass viele Menschen die ehemalige DDR und auch die damalige Sowjetunion mit dem Kommunismus gleichsetzen, also mit Systemen, die in der westlichen Welt das Böse verkörpert haben. Völlig außer Acht gelassen wird dabei allerdings, dass es weder in der DDR noch in der Sowjetunion jemals den Kommunismus gab. Den Kommunismus, so wie Marx ihn wollte, gab es noch nirgends auf der Welt und es wird ihn auch nicht geben können. Denn der Mensch ist immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Das würde im Kommunismus aber nicht funktionieren, im Kommunismus müsste der einzelne Mensch den Vorteil für die Gemeinschaft sehen, und nicht seinen eigenen.

Es gab Tode in der DDR, es gab auch viele Tode in der Sowjetunion, das möchte keiner abstreiten. Es waren meist Menschen betroffen, die gegen den Staat waren, die sich gegen die Partei gestellt haben, die ein anderes System wollten. Aber es waren keine Toten, die durch den Kommunismus verursacht wurden, es waren Tode, die durch den Machtanspruch einer einzigen Partei verursacht wurden, also durch Menschen, die ihren eigenen Vorteil erhalten wollten. Im Kommunismus würde es gar keine Parteien mehr geben, regierungsähnliche Strukturen sind nämlich gar nicht vorgesehen im Kommunismus. Das wäre allerdings nur möglich, wenn der Kommunismus weltumspannend eingeführt werden würde, denn überall, wo es noch einzelne Staaten gibt, gibt es auch eine Regierung, welche den Staat zumindest nach Außen vertritt.
Dem Kommunismus also die Schuld an dem Leid zu geben, welches durch Diktatoren verursacht wurde, ist somit gar nicht möglich, weil es dem Kommunismus nämlich noch gar nicht gab. Und es wird ihn auch nie geben! Wenn man schon Angst haben möchte, dann vor der Diktatur einer einzelnen Person, beziehungsweise einer einzigen Partei, egal ob sie sich hinter einer Demokratie oder sonst einer Staatsform versteckt.

Das mit den vielen Toten, es wird ja immer von mehreren Millionen geredet, möchte ich aber auch nicht unkommentiert stehenlassen. Es gab sie, soviel steht fest, aber man sollte seinen Blick öffnen, man sollte sich einmal die gesamte Welt ansehen und dabei einmal beachten, wie viele Menschen täglich sterben. Aber nicht nur wie viele, sondern auch warum sie sterben. Wenn man dann ehrlich zu sich ist, dann gesteht man sich auch ein, dass hier der Kapitalismus eine große Mitschuld dran hat. Es gibt deutsche Textilunternehmen, welche ihre Waren in Indien produzieren lassen. Zu Bedingungen, welche Menschenverachtender nicht sein könnten. Es gibt Unternehmen, welche in Afrika ihre Baumwolle anbauen, ohne dabei auf die Umwelt zu achten und auch ohne dabei auf die Menschen zu achten, welche durch die vielen eingesetzten Chemikalien krank werden und am Ende sogar sterben. Wir sollten also nicht vergessen, dass auch der Kapitalismus, welcher von vielen als heilig angesehen wird, seine Leichen im Keller hat und es sind ganz bestimmt nicht weniger, als der Kommunismus zu verantworten hat. Leider wird genau das immer wieder ausgeblendet, denn uns geht es ja super, wir haben unseren Wohlstand und wir argumentieren dann immer, dass es uns doch bedeutend bessergeht als den Menschen in Indien, oder denen in Afrika. Der Kapitalismus kann also gar nicht so schlimm sein, er muss doch etwas Positives sein, denn er bringt uns ja Wohlstand und ein langes Leben. Er gibt uns eben genau das, was er in anderen Regionen der Erde abzieht. Und genau das vergessen wir immer.

Es muss also ein noch viel besseres System als den Kapitalismus geben und um das zu finden, sollte man auch ruhig über den Kommunismus nachdenken, darüber nachdenken, was die Gesellschaft besser machen könnte und was der gesamten Erdbevölkerung Wohlstand und Gesundheit bringt. Dass der Kommunismus dies nicht sein wird, darüber sind wir uns sicher alle einig.