Archiv der Kategorie: Medien

Ungenau und Verkürzt

Ungenauigkeiten! Verkürzungen! Das sind die Schlagwörter, die in den letzten Tagen durch die Medien geistern. Es sind Schlagwörter, die auf fast jeden journalistischen Artikel zutreffen, weil es nicht möglich ist, in einem kurzen Ausschnitt all die komplexen Zusammenhänge zu erfassen. Niemand regt sich darüber auf, wenn in einer kurzen Nachricht über einen Bankraub nicht erwähnt wird, welche gesellschaftlichen Zusammenhänge den Menschen zu dieser Tat getrieben haben. Dabei wären das wichtige Informationen, die für die Bildung der eigenen Meinung elementar sind. Es wird verkürzt, weil wir nicht unendlich viel Zeit haben, weil Artikel nicht ständig mehrere Seiten umfassen können, weil wir bei den meisten Artikeln auch gar nicht bereit sind, so viele Informationen aufzunehmen. Selbst in der Wissenschaft werden komplexe Zusammenhänge in ein Modell gepresst, werden gekürzt, sodass am Ende eben diese Komplexität rausgenommen wird und bestimmte Aspekte betrachtet werden können.

Einem Youtuber werden diese Ungenauigkeiten, diese Verkürzungen nun vorgeworfen. Er fasst in einem Video seine Meinung zusammen, bringt Argumente, bringt sogar Quellnachweise, auf die er seine Argumente aufbaut und weil es anscheinend keine wirklichen Gegenargumente gibt, wird auf die Verkürzungen und auf die Ungenauigkeiten rumgehackt. Hallo? Wie lang hätte das Video denn sein sollen? Wenn in einer Argumentation bestimmte Blickwinkel fehlen, was in jeder Argumentation, in jedem Meinungsaustausch so sein wird, dann haben wir die Möglichkeit, diese Blickwinkel zu ergänzen. Dazu muss nicht jeder ein Video machen, es reicht ein Kommentar, es reicht die Bereitschaft auf Sachebene darüber zu diskutieren, eine Debatte zu führen. Diese Bereitschaft fehlt aber, sie wird ersetzt durch persönliche Angriffe auf die Person, auf diskreditierende Aussagen, die von der eigentlichen Auseinandersetzung mit den Themen und Inhalten ablenken sollen. Es bleibt dann bei Andeutungen, bei er Androhung davon, dass da Argumente und Fakten lauern, mit denen das Video auseinander genommen werden könnte, aber bei diesen Drohungen bleibt es dann auch, die Argumente und Fakten bleiben im Nebel. Warum? Wenn es denn gute Fakten und Argumente gibt, die gegen die Inhalte und Positionen sprechen, warum diese dann im Nebel belassen? Sind die dann vielleicht doch nicht so stark? Sind diese eventuell selbst angreifbar? Schnell zu widerlegen, wenn sie in einer Debatte überprüft werden könnten?

Warum lassen wir uns nicht auf eine sachliche Debatte ein, wenn ein Mensch den Mut hat, seine Meinung, seine Argumente zur Diskussion zu stellen? Besteht dann eventuell die Gefahr, dass sich eine gesellschaftliche Veränderung einstellen könnte? Das alte Strukturen durchbrochen werden, weil das „Es war schon immer so!“ kein Argument mehr ist? Weil dabei eventuell auch politische Machtstrukturen verändert werden, weil sich die Gesellschaft und die Möglichkeiten der politischen Teilhabe geändert haben?

Wir müssen das Debattieren lernen, müssen einen Meinungsaustausch fördern, müssen uns die Zeit nehmen, um uns zu Informieren. Das ist elementar für eine Demokratie! Debatten gefährden nicht die Demokratie, sie machen die Demokratie erst möglich. Ein Youtube-Video ist ein solcher Debattenbeitrag und somit wichtig für unsere Demokratie. Eine Gefährdung unserer Demokratie geht von Politikern aus, die ihre Politik für Alternativlos halten, die der Meinung sind, dass nur sie selbst die Komplexität verstehen können. Die Gefährdung geht von Politikern und Parteien aus, die den Bürgerinnen und Bürgern das Erfassen von komplexen Zusammenhängen nicht zutrauen und die strikt gegen eine Weiterentwicklung von unseren demokratischen Strukturen aussprechen, weil das die eigene Machtfülle einschränken würde. Und von Medien, die das Informationsmonopol bei sich behalten wollen, die zur Wahrung der Deutungshoheit Meinungsbeiträge von Menschen außerhalb der eigenen Medienwelt diskreditieren.

Die Zerstörung der CDU.

Weitere Links zum Video:

#DigitalLeben und die VDS

Die SPD und die Vorratsdatenspeicherung. Ein Thema, das irgendwie nie zu einem Ende kommt. Auf dem Barcamp #DigitalLeben gab es natürlich auch zu diesem Thema ein paar Sessions und zwei davon habe ich mir angehört.

Warum die VDS nicht mit den Grundwerten der SPD vereinbar ist?

Doch, ich war überrascht. Endlich gab es jemanden, der einmal mit der Geschichte gegen die Vorratsdatenspeicherung argumentiert. Eine Geschichte, die den Menschen aus der SPD eigentlich bekannt sein sollte, schließlich wurden die Sozialdemokraten und die Sozialisten in der deutschen Geschichte schon oft genug verfolgt und oft genug mussten die Sozialdemokraten ins Exil gehen. Nehmen wir einfach das Dritte Reich als Beispiel. Dadurch, dass den Nazis genügend Aufzeichnungen zur Verfügung standen, konnten sie die Kommunisten und die Sozialdemokraten so gut verfolgen. Und nicht nur die, sondern auch die Juden und andere Gruppen. Wenn das keine Warnung ist, dann weiß ich auch nicht.

Ich meine, es wird doch niemand so naiv sein und glauben, dass nicht irgendwann doch wieder eine faschistische Regierung an die Macht kommt. Sollte das passieren, dann leistet die Politik gerade super vorarbeitet, denn alle Daten, die jetzt gesammelt und gespeichert werden, können später auch von dieser faschistischen Regierung genutzt werden. Ja, es ist eine theoretische Gefahr und ja, die Speicherfristen sind relativ kurz, aber es geht eher um die Überwachungsinfrastruktur, die durch die jetzige Politik geschaffen wird. Glaub wirklich jemand, dass eine faschistische Regierung diese nicht für eigene Zwecke missbrauchen würde? Gerade die Sozialdemokratie sollte genau diesem Irrglauben nicht aufsetzen, sie sollte – schon wegen ihrer Geschichte – gegen eine solche Datensammelwut des Staates sein. Und, so habe ich es zumindest auf dem Barcamp erlebt, viele der SPD-Mitglieder sind dagegen, jetzt muss es nur noch in der Parteispitze ankommen.

Aber natürlich war die Geschichte nicht das einzige Argument gegen die VDS. Auch der Wegfall der europäischen Richtlinie spricht gegen die Einführung. Alle Beschlüsse, die aufgrund dieser Richtlinie in der SPD beschlossen wurden, sind hinfällig. Übrigens auch der Abschnitt im Koalitionsvertrag. Es besteht für die SPD also gar kein Handlungsbedarf, auch dann nicht, wenn die CDU unbedingt auf die Umsetzung besteht. Da fand ich übrigens den Satz eines SPD-Mitglieds ganz nett, der nämlich gesagt hat, dass die SPD es in der Koalition doch einfach mal krachen lassen soll, wenn die Unionsparteien denn unbedingt auf die VDS bestehen. Richtig, ich gehe sogar weiter, die SPD sollte die Koalition platzen lassen, wenn die Unionsparteien unbedingt darauf bestehen, dass die VDS kommt – egal welchen Namen sie hat.

Wie eine VDS überflüssig gemacht wird…

Die zweite Session war ziemlich lustig. Nicht nur, dass der Vortragende gar nicht dazu kam, seine Thesen überhaupt vorzutragen, nein, er wurde auch in eine Ecke geschoben, in die er gar nicht gehörte. Ja, die Fragen, die er am Anfang stellte, waren totaler Schwachsinn, weil, es gibt nicht nur ein entweder… oder, es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß, aber ich hätte es schon fair gefunden, wenn er seinen Vortrag bis zum Ende hätte bringen können.

Wenn ich es richtig verstanden habe, wollte er über Räume im Internet sprechen. Er wollte über private Räume sprechen und über öffentliche Räume. Und ja, ich glaube, es hätte eine interessante Diskussion werden können, wenn wir nicht davor irgendwie bei Atombomben und Atomkraftwerken gelandet wären. Nein, fragt mich nicht, warum, denn ich fand, die Vergleiche irgendwie seltsam. Aber wie schon erwähnt, ein wenig war der Redner auch selbst schuld, weil die Fragen, die er am Anfang stellte, irgendwie nicht wirklich durchdacht waren. Vielleicht bekommt er aber die Chance, an anderer Stelle noch einmal den Vortrag vorzustellen, denn ich würde ihn mir schon gerne anhören.

#DigitalLeben: Ausgrenzung aus der digitalen Bildung

Im Artikel „#DigitalLeben: Die neue Arbeitswelt“ schrieb ich letztens schon über das Barcamp der SPD und über die Veranstaltung zur Sharing Economy. Im selben Vortrag gab es eine interessante Wortmeldung, die ich aber aus dem Themenkomplex der Session etwas rauslösen möchte. Es ging um die digitale Ausgrenzung, hier konkret um die Ausgrenzung bei der Sharing Economy, aber ich finde, dass diese Ausgrenzung schon woanders ein Problem wird. Was ich jetzt nicht weiß, ist, ob in einer anderen Session über das gesprochen wurde, was ich hier jetzt niederschreibe, aber ich bin noch am sichten der anderen Blogbeiträge.

Ausgrenzung aus der digitalen Bildung

Das Internet ist ein riesiger Raum, in dem es massenhaft Wissen gibt. Das Problem: Nicht jeder Mensch hat Zugriff auf diese Wissenssammlung. Da hilft auch nicht der Hinweis, dass im Hartz4-Satz eine bestimmte Summe für diesen Bereich vorgesehen ist, denn dieses Geld muss meist in andere Dinge investiert werden – Lebensmittel zum Beispiel – und selbst wenn davon ein Telefonanschluss gezahlt wird, fehlt immer noch das Geld für einen Computer oder ein Tablet. Und nein, das gilt nicht nur für Erwerbslose, dieses Problem haben auch die Menschen im immer größer werdenden Niedriglohnbereich.

Es kommt also auch hier wieder zu einer Ausgrenzung von einkommensschwachen Familien und es trifft natürlich auch nicht nur die Kinder, denn Bildung ist inzwischen etwas, worauf ein lebenslanger Zugriff nötig ist. Schließlich lernen wir ein Leben lang und das Internet bietet inzwischen auch so viele Weiterbildungsangebote, sodass hier auch für Erwachsene ein Vorteil in Beruf entstehen kann, wenn sie Zugriff auf das Internet haben.

Es geht also auch bei der digitalen Bildung um Chancenungleichheit und hier müsste sich die SPD einmal überlegen, wie sie diese Chancenungleichheit beheben kann. Das ist für mich übrigens keine neue Erkenntnis, ich fordere schon lange, dass den Schülern aus einkommensschwachen Familien zumindest ein Tablet zur Verfügung gestellt wird, damit Diese Zugriff auf die digitalen Bildungsangebote haben. Und dabei geht es ja nicht nur um das reine Wissen, es geht ja auch für Schüler um die Möglichkeiten der Weiterbildung beziehungsweise um die Möglichkeit, sich zumindest die kostenlosen Nachhilfeangebote zu nutzen zu machen. Denn, und da sind wir wieder in der Offline-Welt, diese Nachhilfeangebote sind meist die Einzigen, die sich diese Schüler und Schülerinnen aus den einkommensschwachen Familien leisten können.

Und, was natürlich grundlegend ist, die Schulen müssen mit kostenlosen WLAN-Zugängen ausgestattet werden, die auch außerhalb der Schulzeiten von den Schülerinnen und Schülern genutzt werden können. Denn ein Tablet allein nutzt nicht viel, solange es keinen Zugang zum Internet hat.

Die SPD ist jetzt gefordert, zumindest in der digitalen Bildung die Chancengleichheit zu ermöglichen, wenn diese schon in der Offline-Welt kaum umzusetzen ist. Ebenso ist sie gefordert, den Schülerinnen und Schülern durch Zuschüsse zu ermöglichen, auch kostenpflichtige Lernangebote im Internet zu nutzen – und hier auch endlich mal unabhängig von der Initiative der Eltern. Soll heißen, diese Zuschüsse müssen von den Jugendlichen selbst beantragt werden können, so viel Selbstständigkeit sollten wir ihnen zutrauen und notfalls könnten ja auch die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen die Schüler und Schülerinnen unterstützen.

Um noch einmal auf den Zugang zurückzukommen. Herr Gabriel ist gerade dabei ein Gesetz auf den Weg zu bringen, dass es den Anbietern von Freifunknetzen fast unmöglich macht, dieses Angebot aufrecht zu erhalten. Dabei wären genau das die Zugänge, die auch einkommensschwachen Familien zur Verfügung stehen, weil sie nicht kommerziell- und somit kostenlos sind. Auch hier sollte die SPD noch einmal nachhaken, warum diesen Zugängen immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, obwohl es diese Lösungsansätze sind, die es ermöglichen könnten, dass alle Menschen zumindest schon einmal einen Zugang zum Internet hätten.

Vor 80 Jahren brannten die Bücher – und heute?

Ein Plädoyer für die absolute Meinungsfreiheit – oder doch nicht?

Vor 80 Jahren verbrannten studentische Verbände (mit Unterstützung der damals gerade an die Macht gekommenen NSDAP) die Bücher von diversen Autoren und verhängten auf diese Weise ein sehr plastisches „Meinungsverbot“ von Werken dieser Autoren – es war die wohl massivste und bekannteste Einschränkung der Meinungsfreiheit in unserem Lande, mit gravierenden Folgen.
“Dies war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen”, schrieb einst der Dichter Heinrich Heine (1797-1856) und er behielt Recht: Die NS-Bücherverbrennung war nur das Vorspiel zum Mord an Europas Juden.

Und heute?

Heute ist die Meinungsfreiheit zwar durch Artikel 5, Abs. 1 („Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“) im Grundgesetz festgeschrieben und damit geschützt, aber wird sie deshalb nicht mehr verletzt?

Der Bundesrat hat eine neue Initiative für ein NPD-Verbot gestartet. Das Verbot einer Partei, welche die Ansichten eines Teils unserer Bevölkerung vertritt, deren Ansichten/Meinungen jedoch allgemein nicht gern gehört werden und die sie deshalb am liebsten verbieten würden. Das wäre keine Meinung, sondern ein Verbrechen, meinen nicht wenige.

Auch mit der Präsenz der Schwulengegner in den Talkshows in Rundfunk und Fernsehen soll Schluss sein, fordert David Berger, Theologe und Chefredakteur des Magazins Männer. Schwule und Lesben, meint Berger, sollten nicht länger aushalten müssen, dass man sie öffentlich diffamiert.

Nimmt man den „Meinungsfreiheits-Artikel“, den Artikel 5 des Grundgesetzes, jedoch wörtlich, so darf es hier keinerlei Einschränkungen geben, denn es gilt hier ja die „Meinungsfreiheit“, also die Freiheit meinen zu können, was man will.

Doch gilt dieses (deutsche) Grundrecht mehr als alle anderen Grundrechte? Oder steht es im Kontext der anderen Grundrechte und findet damit seine Schranken auch in denselben?

Die Verfechter der „absoluten Meinungsfreiheit“ lassen diesen Aspekt – den Kontext mit den anderen Grundrechten – zu sehr außer acht, weil sie offenbar glauben, darauf keine Rücksicht nehmen zu müssen. Doch das müssen sie – absolut.
Diejenigen, die unerwünschte Meinungen z.B. durch Verbote einschränken wollen, müssen es jedoch auch.

Quellen:
„Vor 80 Jahren brannten Bücher“ (https://www.gmx.net/themen/nachrichten/deutschland/10ad7yq-80-jahren-brannten-buecher#.A1000146)
„Homohasser raus?“ von Elmar Kraushaar (http://www.fr-online.de/medien/debatte-um-david-berger-homohasser-raus-,1473342,22695484.html)

Stefan Raab und das TV Duell

Das TV-Duell der Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl muss seriös sein. Mit diesem Satz argumentieren viele gegen Stefan Raab, der für Pro7-Sat1 am Tisch der Moderatoren Platz nehmen möchte. Viel mehr drängt sich mir aber der Verdacht auf, dass Frau Merkel und Herr Steinbrück Angst davor haben, unangenehme Fragen beantworten zu müssen.

Was meint Steinbrück denn damit, dass das TV-Duell seriös sein muss? Hat er wirklich Angst davor, dass Stefan Raab die Sendung in eine Gameshow verwandeln könnte? Wenn ja, wie sollte Herr Raab das machen? Er wird wohl kaum hingehen und sagen: „Hey, der bessere Redner gewinnt 100.000,- Euro.“, so wie er es in seiner eigenen Polit-Show macht. Was könnte er sonst tun? Er könnte vielleicht doofe Fragen stellen, aber er sitzt dort ja nicht alleine am Tisch, weshalb seine Fragen ja nur einen Teil der Sendung ausmachen. Ich glaube aber nicht, dass Raab dies machen würde. Er wird sich auf das TV-Duell genauso vorbereiten, wie er sich auf seine anderen Shows vorbereitet und er wird sicherlich auch interessante Fragen stellen. Raab ist Medienprofi genug, um zu wissen, dass er sich vieles kaputtmachen könnte, wenn er versucht, die Sendung ins lächerliche zu ziehen.

Wovor Steinbrück und Merkel wohl mehr Angst haben, sind die unangenehmen Fragen, die Stefan Raab durchaus stellen könnte. Sie wollen lieber Moderatoren haben, die sie kennen und von denen sie wissen, welche Fragen sie zu erwarten haben. Das Rededuell soll zwar im Wahlkampf helfen, aber die Politiker wollen dort natürlich nicht blamiert werden. Und genau davor haben sie Angst. Sie können Stefan Raab nicht einschätzen, wissen nicht, welche Fragen er stellen wird und damit haben sie ein Problem.

Beide Kandidaten haben zwar inzwischen signalisiert, dass sie Stefan Raab als Moderator akzeptieren, aber was anderes bleibt ihnen auch kaum übrig. Interessant wäre jetzt nur noch zu wissen, warum auch die Wähler Stefan Raab nicht beim TV-Duell als Moderator haben wollen? Das TV-Duell wird dadurch nicht schlechter werden und der Einzige, der wirklich etwas zu verlieren hat, ist Stefan Raab selbst.

Der PeerBlog – die vergebene Chance

Vor zwei Tagen schrieb ich hier über den PeerBlog. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist, dass der Blog bereits am nächsten Tag schon wieder Geschichte sein würde. Der Druck der Netzgemeinde war einfach zu groß und so wurde der Blog durch Hacker lahmgelegt, was die Verantwortlichen dann dazu gebracht hat, den Blog wieder aus dem Netz zu nehmen.

Hintergrund war die Finanzierung des Blogs, denn die Bürger wollten wissen, welche Unternehmen diesen Blog unterstützten. Mir stellt sich immer noch die Frage, warum diese Information so wichtig sein soll? Mich persönlich interessiert es nicht, wer diesen Blog finanziert hat. Was mich allerdings interessiert hätte, wären die Informationen, die dieser Blog zum Kanzlerkandidaten Steinbrück verteilt hätte. Immerhin scheinen die Betreiber dem Peer Steinbrück ziemlich nahe gestanden zu haben, und so hätte es durchaus sein können, dass dieser Blog uns allen die Chance gegeben hätte, den Peer ein klein wenig besser kennenzulernen.

Sicher, der Blog hätte auch total langweilig sein können, er hätte Informationen verbreiten können, die wir eh alle schon kannten, aber es hätte auch anders sein können. Und jeder sollte sich jetzt einmal die Frage stellen, welchen Vorteil Peer Steinbrück hätte aus diesem Blog ziehen können? Wäre es Unternehmern, die der CDU nahe stehen, nicht möglich gewesen, ebenso einen Blog auf die Beine zu stellen? Welchen Vorteil im Wahlkampf hätte Peer Steinbrück denn durch diesen Blog gehabt? Was war also so schlimm an diesen Blog? Etwa die Tatsache, dass einige Autoren durch diesen Blog Geld verdient haben? Leute, ich verstehe es nicht!

Was ich aber verstehe, ist, dass wir uns eine Chance genommen haben. Es hätten politische Blogs entstehen können, in denen wir an Hintergrundinformationen hätten kommen können, die den Medien so nicht bekannt waren. Wir hätten eventuell einen viel größeren Blick in die Parteien bekommen können, denn die Macht dieser Blogs wäre nur durch besondere Informationen entstanden. Die Blogs hätten einen Mehrwert bieten müssen, damit sie sich gegen die Medien als zusätzliches Informationsangebot hätten durchsetzen können.

Die Chance ist jetzt vergeben, der PeerBlog ist Geschichte. Das ist traurig, aber im deutschen Internet ist halt vieles so, wie es in der deutschen Gesellschaft ist. Konservativ und nur nichts Neues ausprobieren.

Google Alert wird mir wohl auch weiterhin zum Thema „Politik“ nur deutschsprachige Medien liefern, hinter denen ein Verlag steht. Politische Blogs hatte ich bisher noch nie dabei, was zeigt, wie uninteressant unsere deutschen Politik-Blogs wohl sind.

Kommentar: Steinbrück darf gerne sagen, was er denkt…

„Die Menschen haben einen Anspruch darauf, dass Politiker das aussprechen können, was sie denken“

Peer Steinbrück 2013

Die Menschen haben natürlich einen Anspruch darauf, dass die Politiker aussprechen können, was sie tatsächlich denken. Ich würde sogar das „können“ aus dem Satz streichen und behaupten, das die Menschen das Recht haben zu wissen, was die Politiker tatsächlich denken. Dabei sehe ich aber ein Problem, nämlich den Politiker selbst.

Der Wähler wäre sicherlich froh, wenn er vor der Wahl genau wissen würde, was die Kandidaten so denken – nur die Politiker wollen dies gar nicht. Spitzenpolitiker wie Peer Steinbrück haben nicht umsonst ein Wahlkampfteam – wobei das Team von Steinbrück wohl derzeit schlaflose Nächte verbringt.
Die Reden sind gut durchdacht, damit sich möglichst viele Wähler angesprochen fühlen. Diese Reden sollen das Wahlprogramm der Parteien bestmöglichst verkaufen, enthalten aber eben nur die Gedanken, die vom Wähler positiv aufgenommen werden. Sicherlich wird hier und da auch mal was „Negatives“ eingebaut. Wahrheiten, die der Wähler schon lange kennt und die ihn nicht mehr vom Hocker hauen. Wahrheiten eben, mit denen sich der Wähler schon abgefunden hat. Der Politiker will ja auch glaubwürdig rüberkommen und nicht nur Versprechungen machen.

Was aber passiert, wenn einem Politiker Gedanken rausrutschen, die beim Wähler negativ ankommen und mit denen er sich eben nicht abgefunden hat, weil er es nicht will, das merkt Peer Steinbrück gerade.

Denn die Menschen haben nicht nur einen Anspruch darauf, an den Gedanken der Politiker teilzuhaben, sondern auch darauf, diese zu kommentieren. Der Wähler muss die Gedanken nicht nur schlucken, er darf sich auch eine Meinung dazu bilden und er darf dann eben auch sagen, wenn ihm die Gedanken nicht gefallen. Damit muss sich Peer Steinbrück abfinden und vielleicht sollte er sich mit den Einwänden auch auseinandersetzen.

Sich hinter seinen Meinungen zu verschanzen bringt nämlich nicht viel. Ein glaubwürdiger Politiker überprüft seine Meinungen ständig. Das bedeutet nicht, dass er seine Meinung andauernd wechselt, sondern, dass er die Gegenargumente prüft. Kann er sie widerlegen, steht seine Meinung auf einem festeren Fundament. Kann er sie nicht widerlegen, so muss er an seiner Meinung arbeiten, muss das Fundament stärken oder er muss eben eingestehen, dass sein Gedanke falsch war.

Negativ ist nämlich nicht, eine eigene Meinung zu haben. Negativ ist, wenn man seine Meinung verbreitet und dann versucht zu sagen, dass das alles doch gar nicht so gemeint war. Wenn Steinbrück also denkt, dass das Kanzlergehalt zu niedrig ist, dann soll er bitte auch erklären, warum dies so ist. Ebenso sollte er auf die Gegenargumente eingehen und dem Wähler erklären, warum diese falsch sind oder eben, dass er sich geirrt hat.

Politiker dürfen ihre Gedanken gerne öfter rauslassen. Es darf aber keine Einbahnstraße sein, sondern es muss in einem Dialog enden. Denn nicht nur die Menschen haben einen Anspruch darauf, dass die Politiker das Aussprechen können, was sie denken, sondern auch die Politiker haben einen Anspruch darauf, dass die Menschen das aussprechen können, was sie denken.

Großspenden an Parteien gehen zurück

Die Parteien bekommen weniger Großspenden, so ist es heute, in vielen Zeitungen, zu lesen. Gerade mal 1,3 Millionen Euro sind dabei zusammen gekommen, von denen die CSU knapp 460.000,- Euro bekommen hat. Als Großspenden gelten Beträge von mehr als 50.000,- Euro, welche sofort gemeldet werden müssen.

Die Axel Springer AG – konkret „Die Welt“ – glaubt hier einen Beweis dafür gefunden zu haben, dass die Wirtschaft auf Distanz zur Politik geht und sie sieht auch die These widerlegt, dass der Staat und die Politik durch die Wirtschaft und das Kapital gesteuert wird.

So kann man das natürlich machen. Die Medien können natürlich einfach die großen Lobbygruppen ausblenden, sie können auch einfach die Spenden ausblenden, welche niedriger als 50.000,- Euro sind und natürlich auch die Möglichkeiten von versteckten Großspenden. Kurz gesagt, man kann die Bürger natürlich verarschen, wenn man es denn unbedingt will. Doch dazu sind die Medien eigentlich nicht da. Medien sollen informieren, sie sollen bei der Meinungsbildung eine wichtige Rolle spielen, sie sollen sich aber nicht die Meinung verfälschen.

Nur weil die Großspenden zurückgehen, bedeutet das noch lange nicht, dass das Spendenaufkommen insgesamt niedriger ausfällt. Und auch das würde die These nicht widerlegen, denn Unternehmer können auch andere Wege finden, um den Politikern ein wenig Geld zukommen zu lassen – oder eben den Parteien, um die es hier ja geht. Die These, dass der Staat und die Politik durch die Wirtschaft und das Kapital gesteuert werden, ist somit noch lange nicht widerlegt. Vielmehr sollten wir uns Fragen, ob die Unternehmer und die Parteien nicht andere Wege gefunden haben, diese Spenden zu platzieren. Immerhin werfen Großspenden immer ein negatives Licht auf die Politik, als Beispiel sei hier die Spende an die FDP genannt, die nach der Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels bekanntgeworden ist.

„Die Welt“ wirft also einen Artikel in den Ring, der schon nach einer kurzen Diskussion nicht mehr haltbar ist. Da müssen sich die Verantwortlichen der Printmedien auch nicht wundern, wenn die Umsätze immer weiter zurückgehen – Qualität ist nämlich was anderes.

Papier ist tot – es lebe die App

Nach der Frankfurter Rundschau auch die FTD. Beides Zeitungen die um die Existenz kämpfen. Manche sagen sie hätten kaum Chancen diesen zu gewinnen. Auch die insolvente dapd streicht laut dwdl.de jeden dritten Arbeitsplatz.

Man kann nun trauern oder feststellen: Ich lese auch nur noch die Online-Inhalte. Es wäre der ehrliche Umgang mit dem „seriösen“ Journalismus. Wer hat heute noch Zeit sich durch den Blätterwald einer durchschnittlichen Zeitung zu kämpfen? Eben. Dazu kommt, dass die meisten Menschen zu Recht für keine Informationen und Beiträge bezahlen wollen, die nicht von Interesse sind. Geschweige denn die dicken Anzeigenteile, die sich finanziell nur bei Kleintierhaltung rentieren. Weiterlesen

Lob der Panik

Panik  in der menschlichen Gesellschaft ist wie das Verzehren von Fugufisch:  Fisch ist Fisch und schmeckt ähnlich, und auch Fugu unterscheidet sich im Geschmack wahrscheinlich kaum von einer gewöhnlichen Sardine. Was ihn aber so exklusiv und einzigartig  macht, und wofür manche Menschen eine Menge Geld ausgeben, ist die potentielle Gefahr, der Koch könnte sich beim Ausweiden des Fisches vertun, und das letale Gift –  in der Galle des Fisches enthalten – könnte das Fleisch des Tieres erreichen und den sofortigen Tod des Feinschmeckers bedeuten.

Es gab eine glorreiche Zeit, in der die Panik konstant, alltäglich und immer gleich war. Damals trug sie die Züge eines russischen Bären: Grimmige russische Raketen bedrohten unsere westliche Zivilisation, die von freundlichen, zum Abschuss bereiten amerikanischen Atombomben verteidigt wurde. Man wusste genau, warum man in Panik verfallen sollte, und nach dem Super-Gau von Tschernobyl wusste jedes Kind, woran wir alle bald zugrunde gehen würden.

Doch dann irgendwann erschütterte eine Erscheinung unsere Hoffnung auf lang bestehenden, immerwährenden Nervenkitzel: Der russische Bär zeigte sich dem Westen in der reizenden, geistvollen Person der Raissa Gorbatschowa, und für einen Moment blieb unsere Welt still, denn es gab nichts mehr, wovor man sich fürchten konnte. Neue Ideen mussten her.

Politiker, Ökonomen und Medienleute wussten es schon immer: der Mensch braucht Brot und Spiele, und was dem Römer seine Gladiatorenkämpfe in der Arena waren, sind heute die Panikmeldungen aus Fernsehen und Zeitung.

Kann sich jemand noch an die Ozonlöcher erinnern? Das Schicksal der Menschheit war damals schon besiegelt. Durch die Strahlung aus dem Weltall, die nicht mehr durch die wie ein Schweizer Käse durchlöcherten Ozonschichten zurückgehalten werden konnte, sollte jedes Männlein, jedes Weiblein seinen Hautkrebs bekommen und alsbald von der Erdoberfläche verschwinden.

Das Waldsterben bot auch allerlei Projektionsflächen für die gepflegte Panik der saturierten,  gelangweilten, sensationslüsternen westlichen Gesellschaft. Keine Eiche, keine Primel würde die neue mediale Katastrophe überleben. Westeuropa mutierte im Geiste vieler schon zur Wüste. Alle Achtung mit welcher Beharrlichkeit die Botanik ihrem Untergang bislang getrotzt hat. Wir dürfen weiterhin den Geranien beim Blühen zusehen, wer hätte das vor ein paar Jahren noch gedacht?

So kamen und gingen immer neue Schlagzeilen und Berichte von der bevorstehenden Ausrottung der Menschheit und des Unterganges der westlichen Zivilisation. Und nach dem Motto „Nichts ist älter als die Schlagzeile von gestern“, muss immer Neues nachkommen, denn der Zirkus muss täglich Vorstellungen geben, damit das Volk auch bei Laune gehalten werden kann.

Und wie sieht es heute aus? Montag ist Zeit für die islamistische Bedrohung. Ist der freundliche türkische Gemüsehändler verantwortlich dafür, dass bald nur noch einhändige, gesteinigte, verhüllte Frauen bei uns zirkulieren? Selbstverständlich.

Und nicht nur der, sondern auch der mit Falken jagende, Porsche-Sondermodelle sammelnde Scheich wird das Ende der Christenmenschen einläuten.

Dienstag wenden wir uns dem Klima zu: Das mit der nördlichen Hemisphäre als Wüste hatten wir schon, aber jetzt ist Holland überflutet und in Deutschland wachsen Tillandsien und Lianen in den Parks. Schwitzbäder statt Schneezauber zu Weihnachten werden uns versprochen.

Mittwoch ist wieder Zeit für die von Menschen für Menschen  gemachten Katastrophen: Die Krise der Banken wird jede Regierung stürzen, niemand wird jemals wieder einer geregelten Arbeit nachgehen können, niemand jemals wieder ein eigenes Haus besitzen.

Donnerstag sind wir schon im Wochenendstimmung, so ergötzen wir uns an Tsunamis und Erdbeben, die bestimmt die Menschheit dahinraffen werden.

Freitags soll man kein Fleisch essen, lehrt uns der Katechismus, da passt eine Panikmeldung zum Gammelfleisch perfekt.

Am Samstag wollen wir es leicht haben und die Menschheit schonen, daher wählen wir eine Meldung über das Sterben der Arten und die übliche Rodung des Regenwaldes.

Sonntag schließlich widmen wir uns einer der größten Bedrohungen der Menschheit, nämlich dem Raucher. Wir gehen ins Kino und bewundern den allerneuesten Filmcode aus Amerika. Im neuen amerikanischen Film ist der Raucher immer entweder der Böse oder die gescheiterte Existenz oder beides zugleich, und wir lassen uns anschließend auf der Straße anpöbeln, wenn wir eine rauchen. Denn schließlich ist der Raucher für alle im Großen Buch der Pathologie aufgezählten Krankheiten verantwortlich.

So haben wir eine erfüllte Woche voller Panik und Unterhaltung. Der Römer mit seinen mickrigen Gladiatorenkämpfen wäre bestimmt  neidisch auf uns.

So könnten sogar neue Berufszweige entstehen:

Der Panikator zum Beispiel beliefert die Medien mit immer neuen Katastrophenmeldungen rund um den Globus, mit immer neuen Protagonisten, Schauplätzen und Opfern.

Der Panikvermeider hat sein Büro gleich nebenan; er sagt uns, was wir tunlichst machen sollen, damit wenigstens eine Handvoll von uns die nächste unabwendbare Katastrophe überleben wird.

Law-and-Order-Politiker, Börsenspekulanten, Boulevardschreiberlinge und sogar Privatiers mit dem Hang zu einer besonders großkotzigen Form des Masochismus könnten zu den Kunden zählen.

Schwermetalle, große Wellen, kleine Tiere, gelbe Menschen, rote Zahlen: Alles eignet sich als Thema für die nächste Panikattacke auf die Bevölkerung, wenn passend verpackt und vom Experten von Dienst reichlich mit Jägerlatein und Seemannsgarn verziert.

Eins ist sicher: Angesicht der Schreckensnachrichten, die Tag für Tag die Schlagzeilen der Journaille verzieren, versinken die eigenen Alltagsprobleme in die Bedeutungslosigkeit. Wer hat schon das Recht,  über Arbeitslosigkeit, immer teurere medizinische Versorgung oder niedrigere Löhne für mehr Arbeit zu klagen, wenn die gesamte Menschheit akut vom Aussterben bedroht ist? Es wäre  taktlos, mehr Gerechtigkeit, Wohlstand oder Gesundheit zu verlangen, ja geradezu ein Zeugnis von widerlichem Egoismus und Rücksichtslosigkeit.

Wir sollten allen Panikmachern dieser Welt unendlich dankbar dafür sein, dass sie uns zeigen, wie unwichtig die ganze Aufregung um Politik und Misswirtschaft sei. Wir dürfen nie vergessen, dass unser Leben an einem seidenen Faden hängt, und die nächste Katastrophe, das nächste Attentat und das nächste Virus lauern schon an der nächsten Ecke auf uns.

In der Summe muss gesagt werden, dass wir unendlich viel Glück hatten, dass wir noch alle da sind und uns Schreckensgeschichten aus der Vergangenheit erzählen können.

Angeblich gelangen doch Spuren des Fugugiftes ins Fleisch des Fisches, so dass es angenehm auf der Zunge prickelt. Der Feinschmecker genießt und hofft auf ein langes Leben. Lehnen wir uns auch heute entspannt zurück und genießen die Katastrophen, die uns am Leben gelassen haben. Schließlich können wir uns keinen Fugu leisten.