Linke und die Perspektiven der Digitalen Revolution

Am 19.06.2015 debattierten Anne Helm und Shaked Spier zusammen mit dem Publikum über die „Linke und die Perspektiven der Digitalen Reolution.“ Moderiert wurde die Veranstaltung von Julia Schramm und Gastgeber waren die Emanzipatorische Linke Berlin und das berlinxxnet.

Digitale Revolution oder doch nur eine Evolution?

Doch ist das Internet wirklich eine Revolution? Hat es ein revolutionäres Element? Meiner Meinung nach nicht, denn das Internet hat an den Grundprinzipien der Gesellschaft nichts geändert. Es gelten immer noch dieselben Eigentumsverhältnisse, das Kapital ist immer noch ungerecht verteilt, es gibt immer noch Armut auf dieser Welt – kurz gesagt, wir befinden uns immer noch im Kapitalismus.

Das Internet ist aber eine Evolution in der Wissensverteilung, so wie der Buchdruck eine Evolution in diesem Bereich war. Immer mehr Menschen können auf immer mehr Wissen zugreifen und genau hier versteckt sich das Potential des Internets. Das Internet alleine hat nichts Revolutionäres. Es verändert zwar bestimmte Vorgänge in unserem Leben, aber es verändert nicht das Gesellschaftssystem. Was es aber kann, ist, als Werkzeug zur Vorbereitung einer Revolution zu dienen, denn die Verteilung von Wissen ist der erste Schritt, damit sich die Menschen der Gewalt und den Zwängen des Kapitals entziehen können. Aus der Digitalen Revolution wird somit eine Digitale Evolution, die die Linken aber für sich nutzen können, um das kapitalistische Gesellschaftssystem zu überwinden.

Zugang für alle

Doch bevor das Internet diese Wirkung entfalten kann, muss dafür gesorgt werden, dass jeder Mensch auf das Internet zugreifen kann. Und damit ist nicht nur gemeint, dass die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, sondern auch, dass die Menschen die Fähigkeiten vermittelt bekommen, mit dem Internet umzugehen. Hier kommt übrigens auch meine Forderung wieder ins Spiel, dass jeder Mensch Anspruch auf ein Zugangsgerät zum Internet haben muss. Dabei ist mir ziemlich egal, ob es ein Tablet ist, wobei das für Schüler und Schülerinnen den Vorteil hätte, dass sie jederzeit Zugriff auf das Internet haben, oder irgendein anderes Gerät. Nicht egal ist, wie leistungsfähig das Gerät ist, da auch hier eine Benachteiligung entstehen kann.

Von diesem Ziel sind wir noch weit entfernt, und sobald es umgesetzt ist, ergeben sich weitere Schwierigkeiten, denn der Zugang zum Internet bedeutet noch lange nicht, dass auch der Zugang zu allen Inhalten gewährleistet ist. Auch dafür müssen die Linken eine Lösung finden, denn sonst kann das Internet seine volle Macht in der Wissensverteilung nicht entfalten.

Monopolstellung von kapitalistischen Unternehmen

Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, wenn wir unsere Gedanken im Internet verteilen wollen, sind wir auf Google, Facebook und Co. angewiesen. Wenn die dich nicht mögen, dann können deine Beiträge noch so gut sein, im Internet wirst du dennoch nicht sichtbar sein. Damit ist auch schon der größte Nachteil erwähnt, die diese faktischen Monopole mit sich bringen.

Aber es hat natürlich auch Vorteile, denn diese Monopolstellung verspricht auch die größtmögliche Reichweite für die Inhalte, die wir ins Internet stellen. Natürlich ist das nicht kostenlos, wir bezahlen mit unseren Daten dafür, aber so funktioniert der Kapitalismus nun einmal und wir werden ihn nicht im Kleinen ändern können, wir müssen also erst einmal damit leben. Was wir aber nicht machen sollten, ist, uns von diesen Netzwerken noch abhängiger zu machen als nötig. Wir sollten weiterhin unsere Inhalte möglichst auch auf unseren eigenen Webseiten teilen. Facebook ist kein Ersatz für einen Blog, ebenso wie Twitter und Google+. Im Gegenteil, wir sollten möglichst viele Wege suchen, um unsere Inhalte zu teilen, um deren Verfügbarkeit auch zu gewährleisten, wenn der eigene Blog mal nicht mehr betrieben werden kann, oder er von den Suchmaschinen abgestraft wird, oder sich die Sichtbarkeit bei Facebook verschlechtert. Warum sollten unsere Blogartikel nur im Blog zu finden sein? Warum sollten sie nicht auch als E-Book erhältlich sein? Abgesehen davon, dass sich dadurch auch die Sichtbarkeit erhöht?

Wir sollten Facebook und Co. nicht unbedingt als Feind ansehen, aber wir sollten auch nicht den Fehler begehen, und uns von diesen Diensten total abhängig machen. Wir sollten das Internet als Werkzeug begreifen und die vielen Kanäle und Möglichkeiten nutzen, um unsere Inhalte zu vermitteln. Tun wir dies, verringern wir die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, die ja auch durchaus irgendwann einmal ihren Dienst einstellen könnten, wenn sich der weiterbetrieb, nach kapitalistischen Maßstäben, nicht mehr lohnt.

Wir sollten uns aber bewusst sein, dass am Ende jeder Kanal durch staatliche Behörden abgeschaltet werden kann, wenn der Staat seine Machtverhältnisse dadurch bedroht sieht. Es ist also nicht nur die Monopolstellung von Google und Co., die dem Internet das revolutionäre Element rauben, sondern es ist auch der Staat, der notfalls die Infrastruktur einfach stilllegt, und so das Internet unbrauchbar macht. Auch hier müssen die Linken eine Lösung finden, damit der Staat nicht die Möglichkeit hat, die Infrastruktur komplett abzuschalten. Deswegen halte ich eine Verstaatlichung von Facebook und Co. auch nicht für zielführend, wie es von einigen gefordert wird.

Die Linke muss sich also bemühen:

  • den Zugang zum Internet für alle zu gewährleisten
  • allen Menschen die Fähigkeiten zu vermitteln, dass Internet zu nutzen
  • staatliche Eingriffe in die Infrastruktur zu vermeiden
  • Zugangshürden zu Inhalten im Internet zu minimieren
  • möglichst viele Kanäle zu nutzen, um die Inhalte zu vermitteln.

Fazit

Das Internet verändert nichts am Grundprinzip des kapitalistischen Systems. Im Gegenteil, es ist sogar dabei behilflich, die Profite von Unternehmen weiter zu maximieren. Das Internet ist ein Evolutionsschritt bei der Wissensverteilung, aber es revolutioniert die Gesellschaft nicht. Die Linke sollte aber dennoch die Möglichkeiten erkennen, die das Internet bietet und diese auch Nutzen. Sie muss dafür sorgen, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, auf das Internet zuzugreifen und dieses Werkzeug zu nutzen und sie muss dafür sorgen, dass die Infrastruktur nicht durch den Staat kontrolliert werden kann.


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