Schlagwort-Archive: Asyl

Was, wenn mein Staat nicht menschlich ist?

Du suchst dir ein Hörspiel, hörst es und sitzt mit Tränen in den Augen da. Genau das ist mir mit dem Hörspiel „Grenzübertritte: Illegale Helfer“, dass vom WDR 3 ausgestrahlt wurde. Es geht um geflüchtete Menschen, es geht um die EU, es geht um Menschenrechte, es geht um den Staat und es geht um den Widerstand gegen das System.

„Was, wenn mein Staat nicht menschlich ist?“ – eine Frage, über die wir nachdenken sollten. Hört euch das Hörspiel „Grenzübertritte: Illegale Helfer“ an.

“Flüchtlinge aus der DDR waren gar keine Flüchtlinge!”

Es gibt so Diskussionen im Internet, da kann man einfach nur mit dem Kopf schütteln. So zum Beispiel die Diskussion darüber, ob Henkel nun ein Flüchtling war, oder ein Übersiedler. Dieses Konstrukt scheint vielen verdammt wichtig zu sein, damit man nicht darüber nachdenken muss, dass ein Übersiedler selbst ein Flüchtling war, dass „Übersiedler“ aus der DDR in die BRD geflüchtet sind und das sie nur von einer Sondergesetzgebung in Bezug auf DDR-Flüchtlinge profitiert haben. Ganz davon zu schweigen, dass damals das Asylgesetz wirklich noch eines war.

Diese Menschen wollen sich nicht die Mühe machen und darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn es diese Sonderregelungen nicht gegeben hätte. Sie wollen nicht darüber nachdenken, was gewesen wäre, wenn die DDR durch die BRD anerkannt gewesen wäre und wenn die Flüchtlinge nach dem heutigen Asylgesetz behandelt worden wären. Denn dann müssten sie sich Fragen, ob sie nicht auch nur als Armutsflüchtlinge angesehen worden wären. Dann müssten sie sich die Frage stellen, ob sie überhaupt eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen hätten, wenn sie aus genau denselben Gründen aus der DDR geflüchtet wären, wie sie sie damals für ihre Flucht hatten.

Das Konstrukt, das ein Übersiedler ja gar kein Flüchtling war, brauchen diese Menschen, um das heutige Asylrecht verteidigen zu können. Würden sie sich nämlich eingestehen, dass sie Flüchtlinge waren, dann müssten sie auch anerkennen, dass sie heute wahrscheinlich genauso ohne Perspektive dastehen würden, wie die Flüchtlinge, die jetzt in der Ohlauer Straße auf dem Schuldach stehen und die als einzige Verhandlungsmasse nur ihr Leben haben. Sie müssten sich dann eingestehen, dass die Gründe, aus denen sie damals geflüchtet sind, heute meist gar nicht mehr anerkannt werden und sie müssten sich dann eingestehen, dass dieses Asylrecht kein Asylrecht ist, sondern etwas Menschenverachtendes.

Das wollen sie aber gar nicht – ich schreibe bewusst „sie“, weil es nicht alle Übersiedler betrifft – sie wollen gar nicht anerkennen, dass sie Glück gehabt haben, dass sie nur dadurch dem Schicksal von Flüchtlingen entgangen sind, weil es eine Sondergesetzgebung gab. Sie wollen sich nicht als Flüchtlinge sehen, weil sich dadurch ihr eigenes Weltbild in Luft auflösen würde. Und sie wollen sich auch deswegen nicht als Flüchtlinge sehen, weil sie dann Solidarität aufbringen müssten mit den Menschen, die heute dieselben Perspektiven suchen, die auch die Übersiedler damals gesucht haben, als sie aus der DDR in die BRD geflüchtet sind.

Hellersdorf gegen Nazis

Grundnahrungsmittel Rassismus – Diskussion auf sagwas.net

Ich schrieb hier ja letztens den Artikel „Berlin du multikulturelle Stadt der Nazis“. Passend dazu steht derzeit auf sagwas.net der Artikel „Grundnahrungsmittel Rassismus“ zur Diskussion. Passend auch deswegen, weil auch in einer anderen Stadt ein ausländischer Mitbürger durch einen Nazi getötet wurde. Ich schrieb zu dem Artikel folgenden Kommentar und ich würde mich freuen, wenn dort (oder hier) noch mehr Kommentare zu der Thematik zusammen kommen, wenn endlich eine Diskussion zu dieser Thematik stattfindet.

Hellersdorf gegen Nazis

Hellersdorf gegen Nazis

„Es ist tatsächlich wahr, was die Autorin über den Rassismus in Deutschland schreibt. Viele erkennen nicht einmal, wenn sie rassistische Äußerungen von sich lassen. Weist man sie dann darauf hin, kommt nur das Argument, dass man die Realitäten nicht wahrhaben möchte, dass man ein Gutmensch ist und das man sich doch einfach mal die Kriminalitätsstatistiken ansehen soll.

So neulich auch in einer Diskussion um ein Flüchtlingsheim. Auf einmal wurde ein Artikel ins Spiel gebracht, der sich um eine angebliche Vergewaltigung in einem Flüchtlingscamp dreht. Was der Kommentator damit andeuten wollte, kann man wie folgt zusammenfassen:

“Alle Ausländer sind Kriminelle. Sie laufen randalierend durch die Straßen und vergewaltigen dabei noch unsere Deutschen Frauen.”

Es ist erschreckend, aber dieser Rassismus, der sich als Vorurteil tarnt, kommt in Deutschland viel zu oft vor. Menschen werden, weil sie nicht aus Deutschland kommen, zu Kriminellen abgestempelt. Wenn man dieser Argumentation folgt, kann man daraus folgern, dass diese Menschen nur aus ihren Kriegsgebieten nach Deutschland kommen, um den dort erlebten Terror auf uns Deutsche zu übertragen. Das die Menschen einfach nur Schutz suchen und sich von den Schrecken erholen wollen, die sie in ihrer Heimat erlebt haben, wird überhaupt nicht in Erwägung gezogen.

Viele glauben von sich, dass sie tolerant wären, doch sobald die Menschen in ihre Nähe ziehen, ist es damit schnell vorbei. Dann kommen die Vorurteile, dann wird behauptet, dass man sich nachts nicht mehr auf der Straße bewegen kann, dass diese Menschen Seuchen mitbringen und die Gegend wird durch diese Menschen sowieso nur mit Müll verunstaltet.

Es ist traurig, aber genau dieser Rassismus ist verdammt weit verbreitet in Deutschland, nur zugeben wollen das natürlich die wenigsten. Da wird dann von “natürlichen” Ängsten gesprochen – Ängste, die nur durch dämliche Vorurteile zustande kommen.“

Wer es nicht glaubt, sollte in seiner Umgebung einmal die Stammtische aufsuchen, oder mit anderen Menschen über diese Thematik diskutieren. Dieser Rassismus ist näher, als man es sich eingestehen möchte.

Zum Artikel auf sagwas.net…