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Gesellschaft(skritik) – Meinungsschauspielerpodcast NR.16

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Christian
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Jürgen

 

In den letzten Wochen kamen viele Berichte raus, die aufzeigten, wie ungerecht unsere Gesellschaften eigentlich sind. Da war der Bericht von Oxfam, der die ungerechte Vermögensverteilung aufzeigt, dann ein Artikel von der Deutschen Welle, in dem es um die schrumpfenden Handlungsspielräume der Zivilgesellschaften weltweit aufzeigt und ein Artikel zum Pflegenotstand. Darauf hätten wir einen Guten Podcast machen können, aber das ist ja gar nicht unser Anspruch ;).

Diesmal waren wir auch nicht alleine, sondern neben Christian und mir war auch Jürgen mit von der Partie. Aber hört selbst.

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Gedanken zu: “Berlins wichtigste Start-Ups: Kinder”

Wahlplakat Grüne: Berlins wichtigste Start-Ups Kinder

Wahlplakat Grüne: Berlins wichtigste Start-Ups: Kinder

“Berlins wichtigste Start-Ups: Kinder”, lese ich auf einem Wahlplakat der Grünen hier in Berlin. Der erste Gedanke, der mir dazu in den Sinn kommt, ist: Welche Kinder meinen die Grünen wohl damit?

Kinder von Hartz4-Empfängern meinen sie wahrscheinlich nicht. Wenn doch, dann sollten sich die Grünen irgendwann einmal glaubwürdig von den Hartz4-Gesetzen distanzieren. Immerhin haben sie die Agenda2010 und die Hartz4-Gesetzgebung damals unterstützt, als sie unter Gerhard Schröder einer SPD geführten Bundesregierung angehörten. Sie müssten einen Fehler eingestehen, was schwer fällt, was aber notwendig wäre, wenn ihr Slogan denn wirklich glaubwürdig sein soll. Und wenn sie sich schon nicht vom gesamten Hartz4-Gesetz distanzieren wollen, dann sollten sie sich zumindest von den Sanktionen distanzieren, die, wenn sie ausgesprochen werden, die Kinder der Hartz4-Empfänger mit am härtesten treffen.

Wahrscheinlich meinen die Grünen aber nur Kinder, die nicht von Armut bedroht sind. Kinder, die ein finanziell abgesichertes Elternhaus haben. Nein, dafür können diese Kinder natürlich nichts, sie können natürlich nichts dafür, dass es ihnen besser geht als anderen und sie brauchen deswegen auch kein schlechtes Gewissen haben, allerdings die Grünen schon. Nicht nur, dass die Hartz4-Gesetzgebung verhindert, dass die Kinder aus Hartz4-Familien ein vernünftiges soziales Leben führen kann, nein, sie verhindert auch, dass die Kinder aus diesen Familien eine wirkliche Aufstiegschance haben.

Bildung ist Luxus, auch in der BRD und diesen Luxus können sich Kinder und Jugendliche, die in Einkommensschwachen Familien leben, nicht leisten. Nachhilfe kostet Geld, Geld, welches in Familien, die nur ein geringes Einkommen haben – und hier zähle ich jetzt einfach Hartz4-Empfänger hinzu – nicht haben. Anstatt der Staat hier einspringt und auch die Kosten für Nachhilfe trägt, damit die Kinder und Jugendlichen den bestmöglichen Abschluss machen können, lässt er sie lieber allein. Nachhilfe gibt es nur, wenn ein Kind gewahr läuft, dass Klassenziel in einem Schulfach nicht zu erreichen. Erreicht es dies, bekommt also die Note Vier, steht ihm die Nachhilfe nicht zu, obwohl es, mit Nachhilfe, vielleicht sogar die Note Zwei schaffen könnte, wodurch es dann eventuell sogar die Chance hätte, einen höheren Schulabschluss zu erlangen.

Okay, dieses “Bildungspaket” für Kinder von Hartz4-Empfängern ist kein Produkt von Rot-Grün, aber Rot-Grün hatte ein solches Paket ja nicht einmal vorgesehen und es wäre wahrscheinlich auch nie gekommen, wenn es dazu nicht einen Richterspruch gegeben hätte.

Wie glaubwürdig ist es da, wenn die Grünen mit dem Spruch: “Berlins wichtigste Start-Ups: Kinder” werben? Wie glaubwürdig ist es, dass die Grünen hier wirklich alle Kinder meinen und nicht nur die, die in Haushalten leben, die dem Grünen Wählerklientel entsprechen?

Ich gehe weiter, habe den Spruch im Kopf und trage meine Zweifel mit mir. Wie sollte ich den Grünen glauben schenken, wenn sie es nicht schaffen, sich auch für Menschen stark zu machen, die vom Leben schon hart genug getroffen sind. Menschen, die keinen Job mehr haben, und die durch die Hartz4-Gesetzgebung auch noch ihre restliche Würde verlieren – obwohl die Würde ja durch das Grundgesetz geschützt ist, aber das gilt ja nicht wirklich für Hartz4-Empfänger – dank der SPD und dank der Grünen.

Der Neid kommt von oben

In den letzten Monaten war ich viel in sozialen Netzwerken unterwegs, um über Politik zu diskutieren. Dazu gehörte auch, dass ich mich über die ungerechte Verteilung des Vermögens aufregte, und daraus immer gleich eine Neiddebatte wurde.

Dass ich das kapitalistische System als falsch ansehe, sollte inzwischen jeder verstanden haben, denn das kapitalistische System ist für diese ungerechte Verteilung der Vermögen verantwortlich und es wird auch keine Reformen geben können, die diesen Schwachpunkt im System überwinden helfen. Sicher gibt es Möglichkeiten, um die Umverteilung von unten nach oben zu verlangsamen, aber im kapitalistischen System wird sie nie gestoppt werden können und sie kann auch nicht umgedreht werden.

Aber darum geht es mir hier gar nicht, denn es geht vielmehr um die Neiddebatte, die immer wieder gerne geführt wird. In den letzten Monaten meist im Zusammenhang mit Herrn Bayern Präsident Hoeneß, der einfach mal vergessen hatte, ein paar Einnahmen zu versteuern. Was dabei meist aber übersehen wird, ist, dass es gar keine Neiddebatte ist, sondern eine Gerechtigkeitsdebatte. Herr Hoeneß soll nicht in den Knast, weil er ein paar Millionen Euro auf dem Konto hat, sondern er gehört dort hin, weil er ein paar Millionen Euro nicht versteuert hat.

Aber das ist nur ein Beispiel in dieser Neiddebatte, die meist dann wieder herausgeholt wird, wenn die Argumente ausgehen. Die Forderung nach einem vernünftigen Leben wird dann meist zu Neid, weil unterstellt wird, dass wir dem Anderen seinen Erfolg nicht gönnen. Der Ruf nach einer gerechteren Verteilung der Gewinne wird auch mit der Neiddebatte erstickt und eine Diskussion über die Höhe der Managergehälter ist ohne den Hinweis darauf, dass es sich um eine Neiddebatte handelt, auch nicht möglich.

Dabei kommt der Neid meist von oben! Einen Hartz4-Empfänger interessiert meist nicht, wie viel so ein Manager verdient. Einen Hartz4-Empfänger interessiert, ob er genügend Geld hat, um den Monat zu überstehen. Umgekehrt ist aber oft zu spüren, dass Menschen, denen es besser geht als Hartz4-Empfängern, einen Neid auf die Hartz4-Empfänger verspüren. Er drückt sich in den vielen Vorurteilen aus, die sich gegenüber Hartz4-Empfängern verbreitet haben, und auch in der Mindestlohn-Diskussion ist er schon herauszuhören.

Der Neid auf Hartz4-Empfänger

Bleiben wir aber erst einmal bei den Hartz4-Empfängern. Ein beliebtes Vorurteil ist ja, dass es sich diese Menschen in der sozialen Hängematte bequem machen und sie ein Leben haben, in dem sie sich nicht anstrengen müssen – kurz gesagt: Hartz4-Empfänger sind faul und können nichts, bekommen aber dennoch Geld vom Staat.

Der Neid hier ist, dass die Menschen etwas bekommen, obwohl sie ja gar nicht arbeiten. Dieses Neidgefühl geht sogar soweit, dass man diesen Menschen am liebsten auch noch das Existenzminimum wegnehmen möchte, weil man ja selbst, obwohl man arbeitet, kein so angenehmes Leben führt – im Gegenteil, man schuftet hart und kann sich am Ende des Monats dennoch nichts leisten. Dieser Neid wird noch doch bestimmte Fernsehformate weiter eingeheizt, in denen vermittelt wird, dass sich ein Hartz4-Empfänger immer den neuesten Technikkram leisten kann, weil er zum Beispiel immer mit dem neuesten und teuersten Smartphone herumläuft.

Dass die Realität eine andere ist, wird dabei oft übersehen! Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich jeder Einzelne über seinen Beruf definiert. Nur wer arbeitet, kann sich einen gewissen Status erarbeiten, weswegen Arbeitslose sich meist als nutzloses Mitglied der Gesellschaft sehen. Das geht natürlich auf die Gesundheit und für einige wird dadurch der psychische Druck so groß, dass sie nur noch durch Alkohol das Leben ertragen können. Diese Menschen verlieren ihr Selbstvertrauen, weswegen es auch nicht verwunderlich ist, wenn sie irgendwann nicht einmal mehr das Selbstbewusstsein besitzen, um eine Bewerbungssituation zu überstehen.
Viele ziehen sich auch aus ihrem sozialen Leben zurück, lassen soziale Kontakte abbrechen, hören auf Freundschaften zu pflegen und vereinsamen dadurch.

Wer hier tatsächlich meint, dass es diesen Menschen super geht, weil sie ja soviel Freizeit und Geld haben, der irrt! Hartz4 bedeutet für viele Menschen die soziale Isolation. Für einige, weil sie sich für ihre Situation, die sie meist gar nicht selbst verschuldet haben, schämen und für andere, weil sie mit den finanziellen Mitteln, die sie zur Verfügung haben, überhaupt nicht am sozialen Leben teilhaben können. Selbstverständlichkeiten wie Kino, Fußball, der Besuch in einem Cafe oder andere Freizeitaktivitäten sind nicht mehr drin. Freunde zum Essen einladen? Auch nicht möglich, weil das im Regelsatz nicht vorgesehen ist.

Das übersehen viele, die gerne über Hartz4-Empfänger lästern, und die einen Neid auf diese Menschen aufgebaut haben, der im schlimmsten Fall dazu führt, dass der Wunsch geäußert wird, dass diese Menschen doch bitte ins Arbeitslager gesteckt werden.

Meist wird übersehen, wenn die Neiddebatte wieder auf den Plan gebracht wird, dass es den meisten völlig egal ist, wie viel jemand auf dem Konto hat. Viele, die eine gerechtere Verteilung des Vermögens fordern, wollen einfach nur, dass jeder Mensch auf diesem Planeten ohne Not und Ängste leben kann.

Mindestlöhne gefährden die Lohngerechtigkeit

Damit sind wir dann auch bei den Mindestlöhnen angekommen. Auch hier kann man den Neid, der von oben kommt, deutlich spüren. Anstatt sich zu freuen, dass durch den Mindestlohn bald dafür gesorgt ist, dass die Kollegen „anständig“ leben können, macht man sich über die Lohngerechtigkeit sorgen. Da fragen sich die Facharbeiter gleich, wie es sein kann, dass eine Hilfskraft plötzlich „soviel“ verdient, aber die Löhne der Fachkräfte nicht steigen? Immerhin muss doch der Lohnabstand gehalten werden, damit es hier eine Gerechtigkeit gibt!

Aber muss er das wirklich? Ist Lebenszeit nicht gleich Lebenszeit, egal ob es sich um einen Hilfsarbeiter oder um eine Fachkraft handelt? Ist eine angelernte Hilfskraft wirklich immer weniger produktiv als eine Fachkraft? Vermutlich nicht, aber der Neid ist halt vorhanden, der Neid auf Menschen, die kaum etwas besitzen. Es ist uninteressant, ob die Menschen von ihrem Lohn leben können. Interessant ist erst einmal der Lohnabstand, der Unterschied zwischen Hilfskraft und Facharbeiter. Dieser muss möglichst groß sein, nur dann fühlt sich die Fachkraft wohl.

Der Neid kommt meist von oben, er zerfrisst die Gesellschaft und bringt die Stärkeren gegen die Schwächeren auf. Nur wer mehr besitzt als die anderen, fühlt sich wohl. Dabei definieren wir uns nicht über das, was wir tatsächlich haben, sondern darüber, was die anderen nicht haben. Egal, ob wir das unbedingt zum Leben brauchen oder eben nicht.

4,- Euro Lohnuntergrenze – für die FDP ist das ausreichend

4,- Euro als Lohnuntergrenze pro Stunde. Ich kenne einige Länder, in welchen sich die Menschen darüber freuen würden – aber Deutschland gehört mit Sicherheit nicht dazu! Die FDP ist allerdings der Meinung, dass diese Lohnuntergrenze vollkommen ausreichend ist, wobei sie wahrscheinlich die Antwort schuldig bleibt, wie ein Mensch von einer solchen Lohnuntergrenze leben sollte.

Rechnen wir es doch einfach mal durch und gehen dabei von einer 40-Stunden-Woche aus und von 4 Wochen im Monat. Das wären 4,- Euro x 40 Stunden x 4 Wochen, insgesamt also gerade einmal 640,- Euro im Monat. Das ist der Bruttobetrag, denn von diesem werden noch die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen, welche ja in diesem Bereich bereits fällig werden. Blieben am Ende also etwas mehr als 500,- Euro übrig, von denen die Menschen dann leben sollen. Natürlich kommt dann noch der Aufstockungsbetrag hinzu, den man sich beim Jobcenter holen kann, indem man dort alles offenlegt und so zu einem modernen Sklaven verkommt, der sich vor den Sanktionen des Staates und des Arbeitgebers fürchten muss.

Wahrscheinlich kalkuliert die FDP genau das ein, denn die liberalen Grundsätze scheinen nicht mehr die Freiheit des Einzelnen zu sein, sondern die Abhängigkeit. Denn abhängig werden diese Menschen immer sein, wenn sie nur 4,- Euro die Stunde verdienen. Damit kann ein Mensch nämlich weder eine vernünftige staatliche Rente aufbauen, noch eine private Vorsorge treffen. Kurz gesagt, die Altersarmut ist vorprogrammiert und anscheinend von der FDP auch gewollt.

Leistung muss sich wieder lohnen, aber nur für die Arbeitgeber, die nämlich eine solche Lohnuntergrenze wieder dazu nutzen, das Lohnniveau in Deutschland weiter zu senken, um ihre eigenen Gewinne und Profite zu steigern.

4,- Euro als Lohnuntergrenze sind lächerlich und hilft den Arbeitnehmern nicht weiter. Im Gegenteil, die FDP würde damit Lohndumping gesetzlich ermöglichen, denn wenn 4,- Euro die unterste Grenze ist, werden viele Arbeitgeber auch nur noch diese 4,- Euro zahlen.

Wer FDP wählt, wählt automatisch auch die Armut. Vielleicht nicht die Eigene, aber die vieler anderen. Wer FDP wählt, ist mitverantwortlich für Altersarmut und zerstörter Chancengleichheit, denn genau das bedeuten diese 4,- Euro. Sie bedeuten für viele eine zerstörte Zukunft, die FDP Wähler mit zu verantworten haben.