Parkraumbewirtschaftung

Politiker sind ja kreative Köpfe, und wenn sie ein Problem sehen, dann haben sie auch schnell eine interessante Lösung dafür. Nehmen wir zum Beispiel die Autos. Wenn Autos nicht gerade auf der Straße unterwegs sind, stehen sie meist irgendwo am Straßenrand. Wer eine Garage besitzt, einen Stellplatz in einer Tiefgarage hat oder sogar ein eigenes Grundstück besitzt, auf dem er sein Auto parken kann, kann sich ziemlich glücklich schätzen, alle anderen kämpfen täglich darum, irgendwo einen Parkplatz zu ergattern. Das ist auch nicht wirklich verwunderlich, denn es werden ständig mehr Autos auf den Straßen, nur leider gibt es in Städten nicht unbegrenzt Platz, weswegen das Angebot an Parkplätzen nicht wirklich steigen kann.

Kreative Politiker kennen aber natürlich die Lösung für dieses Problem. Sie nennt sich „Parkraumbewirtschaftung“, was nicht mehr bedeutet, als dass das Parken nicht mehr kostenlos ist, sondern ein Parkschein gezogen werden muss, wenn für das Auto irgendwo ein Parkplatz gefunden wurde. Macht natürlich Sinn, denn umso mehr Parkscheinautomaten in der Gegend rumstehen, umso weniger Autos gibt es in den Städten. Pro aufgebauter Parkuhr verschwinden mindestens zwei Autos – ganz automatisch, ist nämlich ein Naturgesetz.

Oder doch nicht? Könnte es sein, dass durch die Parkraumbewirtschaftung weder neue Parkplätze entstehen, noch die Autos weniger werden? Könnte es vielleicht sein, dass die Parkraumbewirtschaftung das Problem gar nicht löst, sondern nur eine zusätzliche Einnahmequelle für die Bezirke (Berlin) erschließt? Könnte es vielleicht sein, dass damit gar nur ein Problem gelöst werden soll, nämlich das Problem der leeren Kassen in den Bezirken?

Vielleicht geht es den Politikern aber auch darum, den Anwohnern einen besseren Zugang zu den Parkflächen zu gewähren, indem diesen ein Anwohnerparkschein gegönnt wird, mit dem das Parken in einer bestimmten Zone kostenlos ist. Aber was passiert dann, wenn es mehr Anwohner mit Autos als Parkplätze gibt? Und was passiert, wenn die anderen Autofahrer bereit sind die Parkgebühren zu bezahlen, weil sie sonst keinen Parkplatz finden? Woher soll die Entlastung kommen, wenn es nicht mehr Parkplätze gibt und ist der kostenlose Anwohnerparkschein nicht vielleicht nur ein Lockmittel, um die Parkraumbewirtschaftung ohne Widerstand einführen zu können? Wenn nämlich überall der Parkraum bewirtschaftet wird, bleibt den Anwohnern gar nichts anderes übrige, als dann eventuell für ihren Anwohnerparkausweis doch eine Gebühr zu bezahlen, denn kostenlosen Parkraum gibt es ja dann eh nicht mehr …

Nur ein Problem ist dann immer noch nicht gelöst, nämlich das Problem des mangelnden Parkraums, weil die Anzahl der Autos dadurch nämlich nicht abnimmt. Parkraumbewirtschaftung entlastet nämlich vielleicht einen Kiez, aber es löst das Problem nicht, sondern verlagert dieses in einen anderen Kiez, wodurch dann auch in dem anderen Kiez die Parkraumbewirtschaftung kommt, die das Problem dann in den nächsten Kiez verschiebt – ein ewiger Kreislauf, an dessen Ende dann steht, dass es überall eine Parkraumbewirtschaftung gibt, wodurch dann jeder Parkplatz kostenpflichtig wird – mehr Parkraum ist dadurch aber auch nicht entstanden.

Tiefgaragen unter jedem Neubau

Bleiben wir doch in Berlin, weil Berlin ein schönes Beispiel ist. Die Stadt wächst, an jeder Ecke werden neue Eigentumswohnungen gebaut, nur eines wird meist vergessen: Wo sollen die neuen Bewohner ihre Autos parken? Sinnvoll wäre es, wenn jeder Neubau, bei dem das möglich ist, mit einer Tiefgarage ausgestattet wird. Ich weiß, dadurch steigen die Kosten für den Neubau, aber da es meist Eigentumswohnungen sind, wird das den neuen Besitzern wohl nicht viel ausmachen. Im Gegenteil, die hätten am Abend, wenn sie nach Hause kommen, ihren sicheren Parkplatz und müssen nicht 30 Minuten durch die Gegen fahren, um irgendwo einen Parkplatz zu finden. Dadurch würde tatsächlich neuer Parkraum entstehen und ungenutzte Parkplätze in den Tiefgaragen könnten dann sogar an andere Anwohner im Kiez vermietet werden.
Eine weitere Möglichkeit wäre, unter den Parkplätzen von Supermärkten Tiefgaragen zu bauen, oder Parkhäuser, die dann allerdings rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssten, damit das Parkraumproblem gelöst werden kann. Natürlich wäre auch in diesem Fall Miete fällig, aber die wäre für einen sicheren Parkplatz ja auch vollkommen in Ordnung.

Carsharing und Fahrrad

Noch viel besser wäre es allerdings, wenn die Politik es schaffen würde, dass die Anzahl der Autos in der Stadt abnimmt. Fahrgemeinschaften wäre hier das einfachste, denn es ist schon ein Unterschied ob vier Autos einen Parkplatz suchen oder nur Eins. Dafür müsste die Politik aber Anreize schaffen, genauso müsste sie Anreize schaffen, damit die Menschen auf Carsharing-Angebote umsteigen, oder das Fahrrad nutzen.

Wie wäre es zum Beispiel mit festen Parkplätzen für Fahrgemeinschaften und Carsharing-Autos? Ein sicherer Parkplatz könnte hier Wunder bewirken und so die Anzahl der Autos reduzieren.

Oder Fahrradschnellstraßen? Wobei, es wäre ja schon sehr angenehm, wenn die derzeitigen Radwege wirklich Fahrradgerecht wären und sicher. Aber dann wäre der nächste Schritt, dass es auch für Radfahrer Wege gibt, auf denen sie schnell von A nach B kommen, ohne ständig durch Ampeln zum Anhalten gezwungen, oder von anderen Verkehrsteilnehmern behindert zu werden.

Verlässlicher Nahverkehr

Eine Entlastung der Innenstädte könnte auch durch ein verlässliches Nahverkehrssystem entstehen. Ein Nahverkehrssystem, dass nicht durch eine einzelne Schneeflocke zum erliegen kommt, oder das durch zu hohe Temperaturen außer Gefecht gesetzt wird. Ein Nahverkehrssystem also, dass für die potentiellen Fahrgäste angenehmer ist, als mit dem eigenen Auto 30 Minuten nach einen Parkplatz zu suchen.


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