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Youtube: Enteignen und dann?

In letzter Zeit wird viel über Enteignung gesprochen, doch was passiert eigentlich, wenn wir wirklich alles enteignet haben? Verändert das schon den Kapitalismus oder müssen wir das Ganze weiterdenken?

Enteignen und dann? (mit Sabine Nuss und Hans-Jürgen Urban)
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Meinungsschauspielerpodcast Nr. 43: Das Jahr 2020

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Christian

Der Christian und ich haben uns jetzt doch noch zu einem Podcast durchringen können und wir haben über das Jahr 2020 geredet. Aber es braucht jetzt nicht viel Text, denn ihr könnt den Podcast am besten einfach hören.

Wirkweise und potentielle Risiken der mRNA-Impfstoffe gegen COVID19.
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Investitions-Willen-Mangel

Fachkräftemangel! Seit 15 Jahren höre ich immer wieder das Wort „Fachkräftemangel“. Ich bin ehrlich, ich kann es langsam nicht mehr hören, es hängt mir zum Hals raus und ich habe sicher schon zwanzig Mal geschrieben, warum mir das Wort zum Hals raushängt. Und doch kommt es immer wieder, immer wieder berichten die Medien vom Fachkräftemangel in Deutschland und immer wieder hört man von knapp 3 Millionen arbeitslosen Menschen in Deutschland – meist sogar in denselben Nachrichtensendungen.

Wenn wir in Deutschland seit 15 Jahren so einen Fachkräftemangel haben, warum hat dann die Wirtschaft nicht Geld in die Hand genommen, und hat sich Fachkräfte ausgebildet? Wollt ihr mir wirklich sagen, dass unter den 3 Millionen Arbeitslosen das Potential nicht vorhanden ist? Ich kann es mir nicht vorstellen, ich will es mir auch nicht vorstellen, denn das Potential ist da, nur ohne Geld kann es eben nicht genutzt werden. Bildung kostet nun einmal Geld und wer mit Fachwissen Geld verdienen möchte, der muss vorher investieren – so läuft unser System nun einmal.

Da diese Investitionen aber zu teuer wären, lässt die Wirtschaft das Potential lieber liegen, und fordert die Politik dazu auf, die Fachkräfte aus dem Ausland zu importieren. Warum auch teuer ausbilden, wenn man im Ausland genügend Fachkräfte hat, die bereits ausgebildet sind? Warum sich mit deutschen Schulabgängern rumärgern, denen bisher einfach die Unterstützung gefehlt hat, um super Leistungen zu erbringen, wenn man im Ausland hochmotivierte Jugendliche hat?

Aber allein der Wirtschaft die Schuld zu geben, wäre auch falsch, denn auch die Bundesregierung ist schuld daran, dass soviel Potential nicht genutzt wird. Erwachsenenbildung ist nur für die Menschen zu finanzieren, die ein gewisses finanzielles Polster im Rücken haben. Warum ist das so? Warum werden Hartz-4-Empfänger nicht dazu motiviert, noch einmal die Schulbank zu drücken? Warum hilft man denen nicht dabei, einen Schulabschluss nachzuholen, damit sie dann eventuell die Qualifikation haben, um eine dieser Fachkräfte zu werden – die ja schon seit 15 Jahren fehlen? Wie wäre es mit Gutscheinen für Volksschulen, damit die Menschen sich weiterbilden können? Wie wäre es mit richtigen Ausbildungen? Ich meine richtige Ausbildungen! Was bringt das zehnte Bewerbungstraining, wenn einfach die Qualifikation fehlt?

Damit wir uns richtig verstehen, ich habe nichts gegen Zuwanderung. Ich finde es klasse, wenn Jugendliche hier eine Chance bekommen, die sie in ihrer Heimat eventuell nicht haben. Aber ich bin mir sicher, dass unter den vielen Arbeitslosen in Deutschland genügend Potential da ist, um den Fachkräftemangel zu überwinden. Mir kann keiner sagen, dass diese 3 Millionen Arbeitslosen zu doof, zu krank oder zu faul sind, um zu Fachkräften ausgebildet werden zu können. Vielmehr fehlt der Wille der Wirtschaft und der Politik, diese Maßnahmen zu finanzieren, denn sie kosten Geld, viel Geld, und deswegen wird das Potential ungenutzt gelassen. Da hilft es auch nichts, wenn wir uns die Fachkräfte importieren, solange wir in Deutschland Jugendliche haben, die einfach aussortiert werden, weil sie noch nicht den Ansprüchen entsprechen – oder um es deutlicher zu sagen: Weil die Unternehmer zu viel investieren müssten, um das Potential auch nutzbar zu machen. Denn der Mensch ist in unserer Gesellschaft ja kein Mensch mehr, sondern nur noch ein Kostenfaktor, der minimiert werden muss.

Das Märchen mit dem Fachkräftemangel wird für mich solange ein Märchen bleiben, solange nicht alle Menschen eine Arbeitsstelle haben, die dazu in der Lage sind und auch den Willen dazu haben. Erst wenn wirklich alle Jugendlichen in Deutschland eine Ausbildungsstelle haben, glaube ich das Märchen, dass Ausbildungsstellen nicht besetzt werden können. Bis dahin möchte ich aber das Wort „Fachkräftemangel“ nicht mehr hören – nennt es doch am besten „Investitions-Willen-Mangel“, denn das beschreibt die Lage am besten.

Großspenden an Parteien gehen zurück

Die Parteien bekommen weniger Großspenden, so ist es heute, in vielen Zeitungen, zu lesen. Gerade mal 1,3 Millionen Euro sind dabei zusammen gekommen, von denen die CSU knapp 460.000,- Euro bekommen hat. Als Großspenden gelten Beträge von mehr als 50.000,- Euro, welche sofort gemeldet werden müssen.

Die Axel Springer AG – konkret „Die Welt“ – glaubt hier einen Beweis dafür gefunden zu haben, dass die Wirtschaft auf Distanz zur Politik geht und sie sieht auch die These widerlegt, dass der Staat und die Politik durch die Wirtschaft und das Kapital gesteuert wird.

So kann man das natürlich machen. Die Medien können natürlich einfach die großen Lobbygruppen ausblenden, sie können auch einfach die Spenden ausblenden, welche niedriger als 50.000,- Euro sind und natürlich auch die Möglichkeiten von versteckten Großspenden. Kurz gesagt, man kann die Bürger natürlich verarschen, wenn man es denn unbedingt will. Doch dazu sind die Medien eigentlich nicht da. Medien sollen informieren, sie sollen bei der Meinungsbildung eine wichtige Rolle spielen, sie sollen sich aber nicht die Meinung verfälschen.

Nur weil die Großspenden zurückgehen, bedeutet das noch lange nicht, dass das Spendenaufkommen insgesamt niedriger ausfällt. Und auch das würde die These nicht widerlegen, denn Unternehmer können auch andere Wege finden, um den Politikern ein wenig Geld zukommen zu lassen – oder eben den Parteien, um die es hier ja geht. Die These, dass der Staat und die Politik durch die Wirtschaft und das Kapital gesteuert werden, ist somit noch lange nicht widerlegt. Vielmehr sollten wir uns Fragen, ob die Unternehmer und die Parteien nicht andere Wege gefunden haben, diese Spenden zu platzieren. Immerhin werfen Großspenden immer ein negatives Licht auf die Politik, als Beispiel sei hier die Spende an die FDP genannt, die nach der Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels bekanntgeworden ist.

„Die Welt“ wirft also einen Artikel in den Ring, der schon nach einer kurzen Diskussion nicht mehr haltbar ist. Da müssen sich die Verantwortlichen der Printmedien auch nicht wundern, wenn die Umsätze immer weiter zurückgehen – Qualität ist nämlich was anderes.