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Ungenau und Verkürzt

Ungenauigkeiten! Verkürzungen! Das sind die Schlagwörter, die in den letzten Tagen durch die Medien geistern. Es sind Schlagwörter, die auf fast jeden journalistischen Artikel zutreffen, weil es nicht möglich ist, in einem kurzen Ausschnitt all die komplexen Zusammenhänge zu erfassen. Niemand regt sich darüber auf, wenn in einer kurzen Nachricht über einen Bankraub nicht erwähnt wird, welche gesellschaftlichen Zusammenhänge den Menschen zu dieser Tat getrieben haben. Dabei wären das wichtige Informationen, die für die Bildung der eigenen Meinung elementar sind. Es wird verkürzt, weil wir nicht unendlich viel Zeit haben, weil Artikel nicht ständig mehrere Seiten umfassen können, weil wir bei den meisten Artikeln auch gar nicht bereit sind, so viele Informationen aufzunehmen. Selbst in der Wissenschaft werden komplexe Zusammenhänge in ein Modell gepresst, werden gekürzt, sodass am Ende eben diese Komplexität rausgenommen wird und bestimmte Aspekte betrachtet werden können.

Einem Youtuber werden diese Ungenauigkeiten, diese Verkürzungen nun vorgeworfen. Er fasst in einem Video seine Meinung zusammen, bringt Argumente, bringt sogar Quellnachweise, auf die er seine Argumente aufbaut und weil es anscheinend keine wirklichen Gegenargumente gibt, wird auf die Verkürzungen und auf die Ungenauigkeiten rumgehackt. Hallo? Wie lang hätte das Video denn sein sollen? Wenn in einer Argumentation bestimmte Blickwinkel fehlen, was in jeder Argumentation, in jedem Meinungsaustausch so sein wird, dann haben wir die Möglichkeit, diese Blickwinkel zu ergänzen. Dazu muss nicht jeder ein Video machen, es reicht ein Kommentar, es reicht die Bereitschaft auf Sachebene darüber zu diskutieren, eine Debatte zu führen. Diese Bereitschaft fehlt aber, sie wird ersetzt durch persönliche Angriffe auf die Person, auf diskreditierende Aussagen, die von der eigentlichen Auseinandersetzung mit den Themen und Inhalten ablenken sollen. Es bleibt dann bei Andeutungen, bei er Androhung davon, dass da Argumente und Fakten lauern, mit denen das Video auseinander genommen werden könnte, aber bei diesen Drohungen bleibt es dann auch, die Argumente und Fakten bleiben im Nebel. Warum? Wenn es denn gute Fakten und Argumente gibt, die gegen die Inhalte und Positionen sprechen, warum diese dann im Nebel belassen? Sind die dann vielleicht doch nicht so stark? Sind diese eventuell selbst angreifbar? Schnell zu widerlegen, wenn sie in einer Debatte überprüft werden könnten?

Warum lassen wir uns nicht auf eine sachliche Debatte ein, wenn ein Mensch den Mut hat, seine Meinung, seine Argumente zur Diskussion zu stellen? Besteht dann eventuell die Gefahr, dass sich eine gesellschaftliche Veränderung einstellen könnte? Das alte Strukturen durchbrochen werden, weil das „Es war schon immer so!“ kein Argument mehr ist? Weil dabei eventuell auch politische Machtstrukturen verändert werden, weil sich die Gesellschaft und die Möglichkeiten der politischen Teilhabe geändert haben?

Wir müssen das Debattieren lernen, müssen einen Meinungsaustausch fördern, müssen uns die Zeit nehmen, um uns zu Informieren. Das ist elementar für eine Demokratie! Debatten gefährden nicht die Demokratie, sie machen die Demokratie erst möglich. Ein Youtube-Video ist ein solcher Debattenbeitrag und somit wichtig für unsere Demokratie. Eine Gefährdung unserer Demokratie geht von Politikern aus, die ihre Politik für Alternativlos halten, die der Meinung sind, dass nur sie selbst die Komplexität verstehen können. Die Gefährdung geht von Politikern und Parteien aus, die den Bürgerinnen und Bürgern das Erfassen von komplexen Zusammenhängen nicht zutrauen und die strikt gegen eine Weiterentwicklung von unseren demokratischen Strukturen aussprechen, weil das die eigene Machtfülle einschränken würde. Und von Medien, die das Informationsmonopol bei sich behalten wollen, die zur Wahrung der Deutungshoheit Meinungsbeiträge von Menschen außerhalb der eigenen Medienwelt diskreditieren.

Die Zerstörung der CDU.

Weitere Links zum Video:

Hartz4: Der Probemonat für Jens Spahn

Es gibt zurzeit die Forderung, dass Jens Spahn einen Monat lang vom Hartz4-Satz leben soll. Aus dieser Forderung ist bereits eine Petition geworden und sie resultiert aus der Aussage, die Herr Spahn zum Thema Hartz4 und Armut getätigt hat. Das Problem an dieser Forderung ist, dass sie nicht zielführend ist.

Hartz4 für einen Monat ist nicht problematisch

Die Probleme mit Hartz4 ergeben sich meist beim langfristigen Bezug der Transferleistungen. Verschuldung, soziale Isolation, Stigmatisierung und all diese Dinge stellen sich nicht gleich ein, wenn Menschen nur ein Monat von Hartz4 leben müssen. Herr Spahn müsste sich natürlich einschränken, aber er würde eben nicht verstehen, warum Hartz4 eine solch riesige Einschränkung des Lebens ist. Er wäre nicht von Sanktionen bedroht, müsste nicht die andauernden Stigmatisierungen erleben, auch nicht die anwachsende soziale Isolation, sondern er würde sich einfach nur ein Monat lang in seiner Lebensweise einschränken und könnte am Ende dann erzählen, dass er diesen Monat ohne größere Probleme überlebt hat, denn zum überleben reicht der Hartz4-Satz auf jeden Fall.

Die gesamte Spannweite der Probleme, die Entmenschlichung durch das System, die teilweise Aufgabe der Selbstbestimmung, all das würde er gar nicht erleben. Er müsste sich auch keine Gedanken über einen Job machen, da er den ja hat, er pausiert diesen halt nur für einen Monat. Er hätte nicht den Druck sich einen schlecht bezahlten Job zu suchen, nicht die Angst, irgendetwas falsch zu machen und dadurch in eine Sanktion zu geraten und somit mit noch weniger Geld auszukommen. Er würde auch nicht in tausendfach in ein Bewerbungstraining gesteckt werden, damit er aus irgendeiner Statistik verschwindet. Kurz gesagt, er würde all die negativen Erfahrungen, all den Druck, der durch Hartz4 entsteht, gar nicht erleiden.

Ein klassisches Eigentor

Mit großer Wahrscheinlichkeit würde Herr Spahn sich nach einem solchen Experiment in seiner Meinung bestätigt sehen. Er würde den Monat absitzen, sich ein wenig einschränken, da er weiß, dass dieser Zustand nur von kurzer Dauer ist. Ein klassisches Eigentor also, denn danach könnte ihm auch keiner mehr vorwerfen, dass er nicht weiß, wovon er da überhaupt redet, obwohl er es dann tatsächlich immer noch nicht weiß! Ein solches Experiment kann sicher bestimmte Eindrücke vermitteln, aber es wird nie die Realität abbilden können, da die Person, die am Experiment teilnimmt, immer im Hinterkopf hat, dass das noch einer gewissen Zeit alles wieder vorbei ist. Und das ist dann keine Hoffnung, die irgendwann verschwindet, sondern eine Gewissheit, die die Eindrücke und Erfahrungen abmildert, sie in ein anderes Licht stellt und sie dadurch erträglicher macht.

Gedanken zu: “Berlins wichtigste Start-Ups: Kinder”

Wahlplakat Grüne: Berlins wichtigste Start-Ups Kinder

Wahlplakat Grüne: Berlins wichtigste Start-Ups: Kinder

“Berlins wichtigste Start-Ups: Kinder”, lese ich auf einem Wahlplakat der Grünen hier in Berlin. Der erste Gedanke, der mir dazu in den Sinn kommt, ist: Welche Kinder meinen die Grünen wohl damit?

Kinder von Hartz4-Empfängern meinen sie wahrscheinlich nicht. Wenn doch, dann sollten sich die Grünen irgendwann einmal glaubwürdig von den Hartz4-Gesetzen distanzieren. Immerhin haben sie die Agenda2010 und die Hartz4-Gesetzgebung damals unterstützt, als sie unter Gerhard Schröder einer SPD geführten Bundesregierung angehörten. Sie müssten einen Fehler eingestehen, was schwer fällt, was aber notwendig wäre, wenn ihr Slogan denn wirklich glaubwürdig sein soll. Und wenn sie sich schon nicht vom gesamten Hartz4-Gesetz distanzieren wollen, dann sollten sie sich zumindest von den Sanktionen distanzieren, die, wenn sie ausgesprochen werden, die Kinder der Hartz4-Empfänger mit am härtesten treffen.

Wahrscheinlich meinen die Grünen aber nur Kinder, die nicht von Armut bedroht sind. Kinder, die ein finanziell abgesichertes Elternhaus haben. Nein, dafür können diese Kinder natürlich nichts, sie können natürlich nichts dafür, dass es ihnen besser geht als anderen und sie brauchen deswegen auch kein schlechtes Gewissen haben, allerdings die Grünen schon. Nicht nur, dass die Hartz4-Gesetzgebung verhindert, dass die Kinder aus Hartz4-Familien ein vernünftiges soziales Leben führen kann, nein, sie verhindert auch, dass die Kinder aus diesen Familien eine wirkliche Aufstiegschance haben.

Bildung ist Luxus, auch in der BRD und diesen Luxus können sich Kinder und Jugendliche, die in Einkommensschwachen Familien leben, nicht leisten. Nachhilfe kostet Geld, Geld, welches in Familien, die nur ein geringes Einkommen haben – und hier zähle ich jetzt einfach Hartz4-Empfänger hinzu – nicht haben. Anstatt der Staat hier einspringt und auch die Kosten für Nachhilfe trägt, damit die Kinder und Jugendlichen den bestmöglichen Abschluss machen können, lässt er sie lieber allein. Nachhilfe gibt es nur, wenn ein Kind gewahr läuft, dass Klassenziel in einem Schulfach nicht zu erreichen. Erreicht es dies, bekommt also die Note Vier, steht ihm die Nachhilfe nicht zu, obwohl es, mit Nachhilfe, vielleicht sogar die Note Zwei schaffen könnte, wodurch es dann eventuell sogar die Chance hätte, einen höheren Schulabschluss zu erlangen.

Okay, dieses “Bildungspaket” für Kinder von Hartz4-Empfängern ist kein Produkt von Rot-Grün, aber Rot-Grün hatte ein solches Paket ja nicht einmal vorgesehen und es wäre wahrscheinlich auch nie gekommen, wenn es dazu nicht einen Richterspruch gegeben hätte.

Wie glaubwürdig ist es da, wenn die Grünen mit dem Spruch: “Berlins wichtigste Start-Ups: Kinder” werben? Wie glaubwürdig ist es, dass die Grünen hier wirklich alle Kinder meinen und nicht nur die, die in Haushalten leben, die dem Grünen Wählerklientel entsprechen?

Ich gehe weiter, habe den Spruch im Kopf und trage meine Zweifel mit mir. Wie sollte ich den Grünen glauben schenken, wenn sie es nicht schaffen, sich auch für Menschen stark zu machen, die vom Leben schon hart genug getroffen sind. Menschen, die keinen Job mehr haben, und die durch die Hartz4-Gesetzgebung auch noch ihre restliche Würde verlieren – obwohl die Würde ja durch das Grundgesetz geschützt ist, aber das gilt ja nicht wirklich für Hartz4-Empfänger – dank der SPD und dank der Grünen.

Geringverdiener: Jeder Euro zählt!

Es ist schon seltsam. Da sprudeln im Bund gerade die Steuermehreinnahmen, weswegen Politiker aus der Regierungskoalition über Steuersenkungen für Gering- und Mittelverdiener nachdenken und dann hagelt es auch dafür Kritik. Natürlich handelt es sich dabei um Dinge, die im Wahlkampf versprochen werden und natürlich löst es andere Probleme nicht, aber eine Entlastung für Geringverdiener, indem zum Beispiel der Grundfreibetrag erhöht wird, wäre dennoch ein positives Wahlgeschenk.

Natürlich sind es die Löhne!

Die Kritik, dass die Steuersenkungen das eigentliche Problem nicht lösen, nämlich das die Löhne viel zu gering sind, stimmt natürlich. Durch ein paar Euro Steuerersparnis wird ein Geringverdiener nicht plötzlich in die Lage versetzt, sich eine vernünftige Altersvorsorge aufzubauen, in seine Bildung oder die Bildung seiner Kinder zu investieren, energieeffiziente Geräte zu kaufen oder – was das größte Problem ist – am sozialen Leben teilzunehmen. Daraus aber die Schlussfolgerung zu ziehen, dass ein Geringverdiener deswegen die paar Euros, die er durch eine Steuersenkung zusätzlich hätte, nicht braucht, ist schon irgendwie seltsam. Denn vielleicht sind es genau die Euros, die am Monatsende fehlen, um die Familie anständig ernähren zu können, oder um neue Kleidung zu kaufen, oder um das Monatsticket zu zahlen. Im Niedriglohnsektor zählt jeder Euro, um die Grundversorgung sicher zu stellen.

Und eine Steuersenkung für Gringverdiener bedeutet ja noch lange nicht, dass dadurch unbedingt die Steuereinnahmen sinken! Der Spitzensteuersatz liegt durchaus in einem Bereich, der eine Korrektur nach oben vertragen könnte, allerdings würde es ja durchaus schon reichen, Steuerschlupflöcher zu stopfen. Es wäre also auch dann noch genügend Geld für soziale Projekte im Bundeshaushalt, wenn der Grundfreibetrag deutlich erhöht werden würde und die Versteuerung der Einkommen dann dementsprechend nach oben verschoben wird.

Gewerkschaften stärken

Es spricht im übrigen auch überhaupt nichts dagegen, den Grundfreibetrag bei der Einkommenssteuer deutlich zu erhöhen und gleichzeitig die Gewerkschaften zu stärken. Beides steht nicht im Widerspruch, nur dazu bräuchte es auch Gewerkschaften, die nicht mehr auf Kuschelkurs mit den Arbeitgebern gehen. Es braucht Gewerkschaften, die sich wirklich zutrauen, einen Arbeitskampf auch langfristig durchzustehen, um die Forderungen ihrer Mitglieder durchsetzen zu können. Aber dazu müssen Gewerkschaften wieder mehr Anziehungskraft entwickeln, dazu müssen sie mehr Mitglieder gewinnen und dazu müssen sie endlich wieder an die Grenzen der Legalität gehen, wenn es um Arbeitskämpfe geht. Arbeitskämpfe müssen wehtun, da nutzt es überhaupt nichts, wenn die Gewerkschaften mit Arbeitgebern auf Kuschelkurs sind.

Mehr politische Bildung

Machen wir uns nichts vor: Wenn wir das Problem mit den niedrigen Löhnen wirklich lösen wollen, dann brauchen wir einen gesellschaftlichen Wandel. Dazu braucht es mehr politische Bildung, dafür braucht es mehr linke Utopien, Utopien die für die Menschen greifbar sind, die eine langfristige Perspektive bieten, die dabei aber auch ehrlich sind. Diese Themen mit Steuersenkungen zu verknüpfen, um damit gegen Steuersenkungen zu argumentieren, ist wenig sinnvoll.

See

Profit vor Gemeinwohl? – Beispiel Wasser

Wasser. Wir Menschen brauchen Wasser, um zu überleben. Nicht nur, weil wir selbst Wasser trinken müssen, sondern weil auch unsere Nahrung Wasser braucht. Aber nicht nur wir Menschen brauchen Wasser, sondern auch die Pflanzen und die Tiere, die ebenfalls auf dieser Erde leben. Wir Menschen konkurrieren um dieses lebenswichtige Element mit den Tieren und den Pflanzen, haben aber den Vorteil, dass wir uns auch Quellen nutzbar machen können, die für Tier- und Pflanzenwelt verschlossen sind.

Seit Jahren Frage ich mich schon, warum wir uns nicht die Meere als Trinkwasserquelle zu nutzen machen. Mir ist bewusst, dass das Meerwasser salzig ist und natürlich ist mir auch bewusst, dass der Aufwand wohl enorm ist, um das Wasser zu entsalzen und trinkbar zu machen, aber es könnte für viele Millionen Menschen auf dieser Erde die Lösung ihrer Wasserprobleme sein. Und eventuell könnte es auch dazu beitragen, die Steigung des Meeresspiegels etwas abzumildern, wovon ja auch Europa betroffen wäre.

Natürlich ist eine Menge Energie nötig, um das Wasser vom Salz und anderen Verunreinigungen zu befreien, aber wenn genügend Geld in die Entwicklung effizienterer Technologien gesteckt werden würde, könnte die Menge an Energie vielleicht gesenkt werden. Es geht mir nicht darum, dass diese Technologie irgendwann mal für irgendein Unternehmen profitabel wird – mit Trinkwasser soll niemand Geld verdienen, sondern es geht mir darum, dass diese Technologie irgendwann problemlos überall dort eingesetzt werden kann, wo sie benötigt wird. Eventuell in Verbindung mit Windkraft- und Sonnenenergie.

Derzeit gibt es ein Unternehmen, welches ein Gerät zur Trinkwassergewinnung herstellen möchte, dass mit einem Solarmodul betrieben wird. Hierzu setzt es auf Crowdfunding, was mich so ziemlich sauer macht, da ein solches Projekt durch ALLE Staaten finanziert werden sollte.

Warum schreibe ich das? Nun, die Medien reden viel davon, dass es irgendwann zu Kriegen um die letzten Wasserreserven kommen wird. Ich frage mich allerdings, warum wir es soweit kommen lassen wollen? Warum muss eine Technologie, die so viele Menschen von Leid befreien könnte, immer Profitabel sein? Warum tun sich nicht alle Staaten zusammen und entwickeln eine solche Technologie, um die Wassernot auf unserer Erde zu beenden? Ich finde keine Antworten darauf, weswegen ich ziemlich verwirrt bin.

Hindert uns unser kapitalistisches System daran Dinge umzusetzen, die für das Gemeinwohl wichtig sind? Ist der Kampf der Staaten um irgendwelche Vorteile wirklich wichtiger als der Kampf gegen Hunger und Durst? Und wenn ja, warum?

Wasser ist ein Menschenrecht! Deswegen sollte auch jeder Mensch genügend Wasser zur Verfügung haben. Aber nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere und Pflanzen. Wir Menschen haben die Möglichkeiten dies zu verwirklichen, nur leider scheinen wir nicht ernsthaft daran interessiert zu sein, diese Möglichkeiten auch zu nutzen.

Diskussion: Wahlbeteiligung erhöhen – AfD entzaubern

Nun haben wir also den Salat. Sowohl in Brandenburg wie auch in Thüringen hat es die AfD geschafft, die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken. Damit ist diese Partei jetzt in drei Landesparlamenten und im EU-Parlament vertreten. Anhänger der AfD werden diese Entwicklung natürlich begrüßen, für viele andere, wie auch für mich, ist es aber erschreckend.

Und auch die Wahlbeteiligung war bei beiden Wahlen erschreckend gering. Sicher werden nie 100 Prozent der Wahlberechtigten an einer Wahl teilnehmen, aber eine Wahlbeteiligung von unter 70 Prozent sollte aufschrecken. Sie sollte nicht nur aufschrecken, sie sollte die Parteien auch wachrütteln, denn diese geringe Wahlbeteiligung zeigt eindeutig, dass in unserer Demokratie etwas schiefläuft.

Bei einer Wahlbeteiligung, die knapp über 50 Prozent liegt, sollten die Parteien sich nicht über ihre Ergebnisse freuen, sondern sie sollten sich Fragen, warum über 40 Prozent der Wähler sich nicht mehr angesprochen fühlen, warum über 40 Prozent nicht mehr wählen gehen. Und sie sollten sich das nicht nur Fragen, sie sollten auch Antworten darauf finden und diese umsetzen.

Ich möchte deswegen kurz folgende Fragen in den Raum stellen, und freue mich, wenn ihr kurz darauf antworten würdet:

“Wie kann die AfD entzaubert werden und wie werden die Nichtwähler zum Wählen motiviert?”

Eure Antworten könnt ihr als Kommentar hinterlassen, oder ihr schreibt einen eigenen Blogartikel dazu, den ihr dann hier in den Kommentaren verlinken könnt. Vielleicht seid ihr ja auch der Meinung, dass die parlamentarische und repräsentative Demokratie am Ende ist, auch darüber können wir hier gerne diskutieren.

Mehr direkte Demokratie

Meine Antwort auf den zweiten Teil der Frage ist klar. Der Wähler braucht endlich mehr Möglichkeiten, um auf die Politik einzuwirken. Wer Politik vier-fünf Jahre nur passiv konsumieren darf, den kann dann auch relativ schnell die Motivation verloren gehen, sein Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen. Wer aber regelmäßig in politische Entscheidungen einbezogen wird, wer also Politik mitgestalten darf, hat eine höhere Motivation zu wählen, und zwar die Politik, die er aktiv mitgestaltet hat. Das bedeutet aber auch, dass sich Parteien öffnen müssen, dass Mitgestaltung nicht erst dann möglich ist, wenn die Menschen ein Parteibuch besitzen.

Das allein reicht natürlich nicht. Neben der aktiven Teilhabe an der Politik, muss es natürlich auch die Möglichkeit der kostenlosen politischen Bildung geben, welche die Meinungsbildungsprozesse unterstützt. Dies könnte übrigens dann auch schon der Ansatz sein, um die AfD zu entzaubern.

Da es mir hier aber um eure Meinungen geht, soll diese kurze Antwort von mir auch schon reichen. Ich freue mich über eure Ideen und Meinungen und hoffe, dass wir hier oder in euren Blogs in eine rege Diskussion kommen.

Gewalt verunreinigt den Zweck

„Gewalt und Zweck verunreinigen sich Gegenseitig!“ – so eine Aussage von Raul Zelik, die er in einem Vortrag auf dem „Marx-is-Muss“-Kongress getätigt hat. Im Vortrag ging es um Die Linke, die Gewalt und die Revolution. Doch ist eine Revolution ohne Gewalt möglich? Wäre es wirklich möglich, den Herrschenden die Herrschaft zu entreißen, ohne dabei Gewalt anzuwenden? Oder um es anders zu fragen: Würden die Herrschenden ihre Herrschaft nicht mit Gewalt verteidigen?

Diese Frage stellt sich natürlich, und deswegen schließt Raul Zelik Gewalt auch nicht aus. Im Gegenteil, in bestimmten Situationen sieht er Gewalt durchaus als legitimes Mittel an – es kommt halt immer darauf an, dass diese Gewalt angemessen ist und nicht übertrieben wird. Dazu muss natürlich auch definiert werden, was alles unter Gewalt zählt. Ist eine friedliche Sitzblockade schon Gewalt? Ist es schon Gewalt, wenn man sich an den Schienen festkettet? Wann fängt Gewalt an?

Diese Frage muss wohl jeder für sich selbst Beantworten, aber, um es mit Raul Zelik zu sagen, „Es ist absurd zu behaupten, dass politische Gewalt immer falsch ist.“ Aber dennoch macht er die Aussage, dass Gewalt, die angewandt wird, um einen bestimmten Zweck zu erreichen, diesen Zweck immer verunreinigt. Gemeint ist damit, dass eine Herrschaftsform, die durch Gewalt etabliert wird, immer eine Herrschaftsform ist, die auf Unterdrückung aufbaut, wodurch diese verunreinigt ist. Eine Gesellschaft, die durch Unterdrückung aufgebaut wird, ist eine Gesellschaft, in der es mindestens zwei Klassen gibt – nämlich die Herrschenden und die Unterdrückten und somit kann durch Gewalt keine klassenlose Gesellschaft aufgebaut werden.

Das bedeutet aber nicht, dass eine Revolution unbedingt gewaltfrei verlaufen muss, denn ohne Gewalt werden die Herrschenden ihre Herrschaft nicht aufgeben. Aber das Problem ergibt sich auch nicht, denn Marx spricht ja selbst von der „Diktatur des Proletariats“, die aus der Revolution folgen sollte. Dies bedeutet, dass es in dieser Gesellschaft Menschen gibt, die unterdrückt werden. Die Revolution würde also nicht sofort in einer klassenlosen Gesellschaft enden, sondern in einer Gesellschaft, in der eine Mehrheit über eine Minderheit herrscht. Diese neue Herrschaft, also der Sozialismus, wäre also durch die Gewalt verunreinigt, was aber kein wirkliches Problem darstellt, da die klassenlose Gesellschaft ja erst im Kommunismus erreicht werden soll.

Eine klassenlose Gesellschaft kann, so sagte es Raul Zelik im Vortrag, nur durch Verständigung erreicht werden. Nur durch Verständigung kann eine gerechte klassenlose Gesellschaft geschaffen werden und somit muss die soziale Revolution, die zur klassenlosen Gesellschaft führt, durch Verständigung geführt werden und nicht durch Gewalt.

Um die Diktatur des Proletariats etwas besser einzuordnen, möchte ich noch anmerken, dass wir uns derzeit, wenn wir es denn so nennen wollen, unter der Diktatur der Bourgeoisie und des Kapitals leben.

Der Staat rechtfertigt Gewalt für gerechte Zwecke

Ein weiterer interessanter Punkt ist übrigens, dass der Staat ebenfalls Gewalt rechtfertigt, wenn es um das Erreichen von gerechten Zielen geht. Kriege sind nichts anderes als Gewalt, auch dann nicht, wenn dadurch humanitäre Ziele erreicht werden sollen. Dies sollte man immer beachten, wenn es um Gewalt oder Gewaltfreiheit geht.

Was allerdings interessanter ist, ist, dass politische Gewalt zu repressiveren Staaten führt. Ein Beispiel dafür findet man in der jungen BRD, als die RAF politische Gewalt angewandt hat. Dies führte dazu, dass der Staat Notstandsgesetze verabschiedete, was zu Einschränkungen der Bürgerrechte führte.

Abschließend würde ich noch folgende Fragen in den Raum werfen:

 

  • Was ist Gewalt?
  • Was ist Gerechtigkeit?
  • Was ist mit Gewalt gegen Gegenstände?
  • Was ist mit Gewalt gegen Menschen?