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Ungenau und Verkürzt

Ungenauigkeiten! Verkürzungen! Das sind die Schlagwörter, die in den letzten Tagen durch die Medien geistern. Es sind Schlagwörter, die auf fast jeden journalistischen Artikel zutreffen, weil es nicht möglich ist, in einem kurzen Ausschnitt all die komplexen Zusammenhänge zu erfassen. Niemand regt sich darüber auf, wenn in einer kurzen Nachricht über einen Bankraub nicht erwähnt wird, welche gesellschaftlichen Zusammenhänge den Menschen zu dieser Tat getrieben haben. Dabei wären das wichtige Informationen, die für die Bildung der eigenen Meinung elementar sind. Es wird verkürzt, weil wir nicht unendlich viel Zeit haben, weil Artikel nicht ständig mehrere Seiten umfassen können, weil wir bei den meisten Artikeln auch gar nicht bereit sind, so viele Informationen aufzunehmen. Selbst in der Wissenschaft werden komplexe Zusammenhänge in ein Modell gepresst, werden gekürzt, sodass am Ende eben diese Komplexität rausgenommen wird und bestimmte Aspekte betrachtet werden können.

Einem Youtuber werden diese Ungenauigkeiten, diese Verkürzungen nun vorgeworfen. Er fasst in einem Video seine Meinung zusammen, bringt Argumente, bringt sogar Quellnachweise, auf die er seine Argumente aufbaut und weil es anscheinend keine wirklichen Gegenargumente gibt, wird auf die Verkürzungen und auf die Ungenauigkeiten rumgehackt. Hallo? Wie lang hätte das Video denn sein sollen? Wenn in einer Argumentation bestimmte Blickwinkel fehlen, was in jeder Argumentation, in jedem Meinungsaustausch so sein wird, dann haben wir die Möglichkeit, diese Blickwinkel zu ergänzen. Dazu muss nicht jeder ein Video machen, es reicht ein Kommentar, es reicht die Bereitschaft auf Sachebene darüber zu diskutieren, eine Debatte zu führen. Diese Bereitschaft fehlt aber, sie wird ersetzt durch persönliche Angriffe auf die Person, auf diskreditierende Aussagen, die von der eigentlichen Auseinandersetzung mit den Themen und Inhalten ablenken sollen. Es bleibt dann bei Andeutungen, bei er Androhung davon, dass da Argumente und Fakten lauern, mit denen das Video auseinander genommen werden könnte, aber bei diesen Drohungen bleibt es dann auch, die Argumente und Fakten bleiben im Nebel. Warum? Wenn es denn gute Fakten und Argumente gibt, die gegen die Inhalte und Positionen sprechen, warum diese dann im Nebel belassen? Sind die dann vielleicht doch nicht so stark? Sind diese eventuell selbst angreifbar? Schnell zu widerlegen, wenn sie in einer Debatte überprüft werden könnten?

Warum lassen wir uns nicht auf eine sachliche Debatte ein, wenn ein Mensch den Mut hat, seine Meinung, seine Argumente zur Diskussion zu stellen? Besteht dann eventuell die Gefahr, dass sich eine gesellschaftliche Veränderung einstellen könnte? Das alte Strukturen durchbrochen werden, weil das „Es war schon immer so!“ kein Argument mehr ist? Weil dabei eventuell auch politische Machtstrukturen verändert werden, weil sich die Gesellschaft und die Möglichkeiten der politischen Teilhabe geändert haben?

Wir müssen das Debattieren lernen, müssen einen Meinungsaustausch fördern, müssen uns die Zeit nehmen, um uns zu Informieren. Das ist elementar für eine Demokratie! Debatten gefährden nicht die Demokratie, sie machen die Demokratie erst möglich. Ein Youtube-Video ist ein solcher Debattenbeitrag und somit wichtig für unsere Demokratie. Eine Gefährdung unserer Demokratie geht von Politikern aus, die ihre Politik für Alternativlos halten, die der Meinung sind, dass nur sie selbst die Komplexität verstehen können. Die Gefährdung geht von Politikern und Parteien aus, die den Bürgerinnen und Bürgern das Erfassen von komplexen Zusammenhängen nicht zutrauen und die strikt gegen eine Weiterentwicklung von unseren demokratischen Strukturen aussprechen, weil das die eigene Machtfülle einschränken würde. Und von Medien, die das Informationsmonopol bei sich behalten wollen, die zur Wahrung der Deutungshoheit Meinungsbeiträge von Menschen außerhalb der eigenen Medienwelt diskreditieren.

Die Zerstörung der CDU.

Weitere Links zum Video:

Youtube: Mehr direkte Demokratie und die AfD

Wie sieht das eigentlich mit dem Thema “Mehr direkte Demokratie” aus, seitdem es von der AfD besetzt ist? Können wir, als Gegner der AfD und/oder als Linke, überhaupt dieses Themenfeld noch besetzen? Was meint die AfD eigentlich, wenn sie von Demokratie redet? Im Berlinxxnet gab es im Juni dazu eine Diskussion, die ihr im folgenden Youtube-Video noch einmal nachverfolgen könnt.

Demokratie für Alle: Wie viel Demokratie und Teilhabe steckt in den Konzepten von AfD und Co?

Macht ihr eure Themen von der AfD abhängig?

Wie sieht es denn bei euch aus? Macht ihr eure Themenwahl von der Themenwahl der AfD abhängig? Traut ihr euch bestimmte Themen nicht mehr anzusprechen, weil sie von der AfD besetzt sind? Oder habt ihr Argumentationslinien gefunden, die bestimmte Themen von Links besetzen und die das Thema so von der AfD abgrenzen?

Mehr politische Bildung?

Am Anfang spricht Klaus Lederer über mehr Investitionen in politische Bildung und darüber, ob sie rechtsextreme Meinungsbilder verändern könnten. Leider, so finde ich, ist dieses Thema nicht wirklich aufgenommen wurden, obwohl ich der Meinung bin, dass mehr politische Bildung wichtig ist, wenn wir die Demokratie verteidigen wollen. Demokratie funktioniert nur, so denke ich zumindest, wenn die Akteure die nötigen Werkzeuge verwenden können. Diese “Demokratie-Werkzeuge” werden in der Schule nicht ausreichend vermittelt und dies könnte ein wichtiger Ansatz werden, um die AfD zu bekämpfen.

#DigitalLeben: Ausgrenzung aus der digitalen Bildung

Im Artikel „#DigitalLeben: Die neue Arbeitswelt“ schrieb ich letztens schon über das Barcamp der SPD und über die Veranstaltung zur Sharing Economy. Im selben Vortrag gab es eine interessante Wortmeldung, die ich aber aus dem Themenkomplex der Session etwas rauslösen möchte. Es ging um die digitale Ausgrenzung, hier konkret um die Ausgrenzung bei der Sharing Economy, aber ich finde, dass diese Ausgrenzung schon woanders ein Problem wird. Was ich jetzt nicht weiß, ist, ob in einer anderen Session über das gesprochen wurde, was ich hier jetzt niederschreibe, aber ich bin noch am sichten der anderen Blogbeiträge.

Ausgrenzung aus der digitalen Bildung

Das Internet ist ein riesiger Raum, in dem es massenhaft Wissen gibt. Das Problem: Nicht jeder Mensch hat Zugriff auf diese Wissenssammlung. Da hilft auch nicht der Hinweis, dass im Hartz4-Satz eine bestimmte Summe für diesen Bereich vorgesehen ist, denn dieses Geld muss meist in andere Dinge investiert werden – Lebensmittel zum Beispiel – und selbst wenn davon ein Telefonanschluss gezahlt wird, fehlt immer noch das Geld für einen Computer oder ein Tablet. Und nein, das gilt nicht nur für Erwerbslose, dieses Problem haben auch die Menschen im immer größer werdenden Niedriglohnbereich.

Es kommt also auch hier wieder zu einer Ausgrenzung von einkommensschwachen Familien und es trifft natürlich auch nicht nur die Kinder, denn Bildung ist inzwischen etwas, worauf ein lebenslanger Zugriff nötig ist. Schließlich lernen wir ein Leben lang und das Internet bietet inzwischen auch so viele Weiterbildungsangebote, sodass hier auch für Erwachsene ein Vorteil in Beruf entstehen kann, wenn sie Zugriff auf das Internet haben.

Es geht also auch bei der digitalen Bildung um Chancenungleichheit und hier müsste sich die SPD einmal überlegen, wie sie diese Chancenungleichheit beheben kann. Das ist für mich übrigens keine neue Erkenntnis, ich fordere schon lange, dass den Schülern aus einkommensschwachen Familien zumindest ein Tablet zur Verfügung gestellt wird, damit Diese Zugriff auf die digitalen Bildungsangebote haben. Und dabei geht es ja nicht nur um das reine Wissen, es geht ja auch für Schüler um die Möglichkeiten der Weiterbildung beziehungsweise um die Möglichkeit, sich zumindest die kostenlosen Nachhilfeangebote zu nutzen zu machen. Denn, und da sind wir wieder in der Offline-Welt, diese Nachhilfeangebote sind meist die Einzigen, die sich diese Schüler und Schülerinnen aus den einkommensschwachen Familien leisten können.

Und, was natürlich grundlegend ist, die Schulen müssen mit kostenlosen WLAN-Zugängen ausgestattet werden, die auch außerhalb der Schulzeiten von den Schülerinnen und Schülern genutzt werden können. Denn ein Tablet allein nutzt nicht viel, solange es keinen Zugang zum Internet hat.

Die SPD ist jetzt gefordert, zumindest in der digitalen Bildung die Chancengleichheit zu ermöglichen, wenn diese schon in der Offline-Welt kaum umzusetzen ist. Ebenso ist sie gefordert, den Schülerinnen und Schülern durch Zuschüsse zu ermöglichen, auch kostenpflichtige Lernangebote im Internet zu nutzen – und hier auch endlich mal unabhängig von der Initiative der Eltern. Soll heißen, diese Zuschüsse müssen von den Jugendlichen selbst beantragt werden können, so viel Selbstständigkeit sollten wir ihnen zutrauen und notfalls könnten ja auch die Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen die Schüler und Schülerinnen unterstützen.

Um noch einmal auf den Zugang zurückzukommen. Herr Gabriel ist gerade dabei ein Gesetz auf den Weg zu bringen, dass es den Anbietern von Freifunknetzen fast unmöglich macht, dieses Angebot aufrecht zu erhalten. Dabei wären genau das die Zugänge, die auch einkommensschwachen Familien zur Verfügung stehen, weil sie nicht kommerziell- und somit kostenlos sind. Auch hier sollte die SPD noch einmal nachhaken, warum diesen Zugängen immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, obwohl es diese Lösungsansätze sind, die es ermöglichen könnten, dass alle Menschen zumindest schon einmal einen Zugang zum Internet hätten.

Jugendarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel passen nicht zusammen

Im Artikel „Investitions-Willen-Mangel“ regte ich mich über den angeblichen Fachkräftemangel auf, den wir angeblich in Deutschland haben. Dazu passend hatte ich vor Kurzem eine Pressemitteilung der CDU im Postfach, die ich hier einmal zitieren möchte.

Sprücheklopfer Gabriel hat sich erneut massiv im Ton vergriffen. Dass er das Thema Jugendarbeitslosigkeit derart schamlos für Wahlkampfzwecke missbraucht, zeugt von ganz schlechtem Stil.

SPD und Grüne zeigen in der Debatte um die Jugendarbeitslosigkeit einmal mehr, dass sie nichts begriffen haben. Wer die Sparanstrengungen in hochverschuldeten Staaten verteufelt und ständig nur nach immer mehr staatlichen Ausgaben ruft, leistet der Jugend in Europa einen Bärendienst. Dass in Deutschland die Jugendarbeitslosigkeit heute nur noch halb so hoch ist wie in Zeiten rot-grüner Regierungsverantwortung, beweist: Solides Haushalten und mehr Wachstum und Beschäftigung gehören zusammen.

Wir stehen zur solidarischen Hilfe in Europa. Das unterstreicht die heutige Konferenz zum Thema Jugendarbeitslosigkeit einmal mehr. Solche Hilfe macht aber nur Sinn, wenn in allen Staaten Anstrengungen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unternommen werden.

Quelle: CDU Deutschland

Die wichtige Erkenntnis habe ich einmal dick markiert. Wir haben Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland! Hätten wir tatsächlich einen Fachkräftemangel und hätten wir gleichzeitig auch Chancengleichheit im Bildungssystem, dann hätten wir keine Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland. Wenn wir es uns leisten können, Jugendliche in der Arbeitslosigkeit zu lassen, kann der Fachkräftemangel in Deutschland nicht wirklich schlimm sein. Wäre das nämlich der Fall, dann würde die CDU viel mehr in das Bildungssystem investieren und sie würde jungen Menschen dabei helfen, sorgenfrei die Qualifikationen zu erlangen, die sie benötigen, um doch in eine Ausbildung zu kommen, damit sie danach den Mangel an Fachkräften ausgleichen können.

Somit ist es auch ein Hohn, wenn die CDU davon spricht, dass Sparanstrengungen wichtig sind, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Durch diese Sparanstrengungen werden nämlich meist die Bildungschancen der einkommensschwachen Schichten verschlechtert, was am Ende dazu führt, dass diese Jugendlichen nicht in eine Ausbildung vermittelt werden können. Jugendarbeitslosigkeit kann nicht durch Sparen bekämpft werden, sondern nur durch Investitionen in das Bildungssystem und durch gezielte Investitionen in Jugendliche, die aus einkommensschwachen Familien kommen.

Wenn wir also wirklich Fachkräftemangel in Deutschland haben, sollte die Regierung alles daran setzen, die Gründe für die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland zu bekämpfen, bevor sie anderen Ländern die Fachkräfte klauen, obwohl diese Länder eigene Probleme haben.

Hierzu passt übrigens auch folgende Pressemitteilung der SPD:

 Anlässlich der Veröffentlichung des „Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann-Stiftung erklärt der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in der SPD (AfB) Peter Befeldt:

Die gezielte Förderung individueller Fähigkeiten und Talente ist die Basis für mehr Gerechtigkeit in der Bildung, damit nicht mehr länger Herkunft und Geldbeutel der Eltern über Bildungschancen entscheiden. Alle Kinder müssen die gleichen Startchancen haben und zwar von Anfang an. Dazu braucht es ein qualitativ hochwertiges Angebot frühkindlicher Bildung und vor allem auch qualifizierte und motivierte Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas.

Genau daran aber fehlt es noch immer, wie die Studie der Bertelsmann-Stiftung wieder einmal verdeutlicht hat. In vielen Kitas sind aus Personalmangel die Gruppen viel zu groß um eine wirkliche individuelle und gezielte Begleitung gerade auch der unter 3-jährigen zu ermöglichen. Um diesem Missstand zu begegnen, brauchen wir eine Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher, die ebenso eine gute, inklusions- und praxisgerechte Ausbildung des Fachpersonals sicherstellt. Zur Sicherung des Fachkräftebedarfes muss auch das Angebot staatlicher Berufsfachschulen und Fachhochschulen in der Sozialpädagogik gesichert und gestärkt werden, damit die angehenden Erzieherinnen und Erzieher nicht allein auf teure Privatschulen angewiesen sind.

Dies alles kann nicht allein Sache der Länder und Kommunen sein, sondern ist klar und eindeutig eine gesamtstaatliche Aufgabe. Dem aber steht noch immer das Kooperationsverbot im Grundgesetz im Wege. Ein erneuter Beweis dafür, dass dieses endlich fallen muss.

 

Quelle: Pressemitteilung SPD/ Peter Befeldt: Frühkindliche Bildung stärken – Fachkräfte sichern