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Über Gastartikel

Auf Meinungsschauspieler.de wollen wir jedem, der Interesse hat über politische Themen zu schreiben, die Chance geben, sich einmal auszuprobieren. Natürlich gibt es dafür Regeln und wir werden nicht jeden Artikel veröffentlichen, aber wenn du hier auch einmal einen Gastartikel veröffentlichen möchtest, nimm doch bitte Kontakt zu uns auf.

Gastbeitrag: Portrait von Heribert Eisenhardt

Sven hat mich gefragt, ob ich vielleicht einen Gastbeitrag zu einem Interview schreiben will, welches er mit einem Mitglied der AfD geführt hat. Dieses Angebot konnte ich natürlich nicht ausschlagen, zumal ich dadurch die Möglichkeit habe, mal genauer wiederzugeben, was ich davon halte. – Gastbeitrag von Christian Beuster.

1. Wer bist du? Stell dich unseren Bloglesern doch erst einmal vor

Das betreffende Mitglied ist Heribert Eisenhardt. Das Schöne am Internet ist, dass praktisch jeder, der nicht genau aufpasst, googlebar ist. Schauen wir uns also mal an, wie sich dieser Heribert online darstellt bzw. wie er rüberkommt.

Beim ersten Treffer landet man, natürlich, auf Facebook. Hier macht einen gleich der erste Beitrag stutzig. Der Link führt zu einem WordPress-Blog (nein, den verlinke ich nicht). Dieser Blog ist laut eigenen Aussagen weder links noch rechts. Komischerweise führen aber die meisten Links zu Seiten, die man wunderbar in die rechte Ecke einordnen kann (Kopp, PI-News, Deutsche Wirtschafts Nachrichten etc.) und auch die Tonalität von den Flüchtlingen, die alles von Deutschland bekommen und Deutsche nichts, zeigt auf, dass es sich nicht unbedingt um einen Blog handelt, den man ohne Kotzen lesen kann. Nun gut, um den Blog soll es nicht gehen und Quellen-Recherche ist nicht unbedingt jedermanns Sache, wenngleich natürlich auch das Sammeln von „Opfern von Ausländern“ auch nicht auf eine dem Rechten entfernte Meinung hindeutet. Suchen wir also weiter.

Change.org scheint seine Lieblingsseite zu sein. Zumindest teilt er häufig Petitionen von der Seite. Zur Anerkennung vom Genozid an Armeniern, Assyrern und Aramäern von 1915. Dazu kann ich nicht viel sagen, weil ich die Hintergründe nicht kenne.

Die Petition zur Stärkung der direkten Demokratie auf Bundesebene durch Einführung von Volksentscheiden scheint auch ganz löblich zu sein, aber was auffällt, ist die Petition zum Thema: „Mit der Unterschrift sagt Ihr Ja zu PEGIDA“ . Haben wir also wieder einen Beweis dafür, dass er eher zum rechten Rand gehört. Und ja, PEGIDA gehört dazu! Demonstrationen, auf denen Menschen “Viehzeug” genannt werden, und von „Wirtschaftsflüchtlingen“ geredet wird, sind für mich ganz klar rechter Rand. Da ist es mir scheißegal, was in dem Alibi-Positionspapier steht oder wer da sonst noch so mitläuft. Prinzipiell scheint er ein ganz großer Fan von PEGIDA zu sein, wenn man denn so liest, was er mitteilt. Aber schauen wir weiter.

Es gibt ja noch ein YouTube-Video mit Heribert am Tag der Patrioten. Was ist der Tag der Patrioten? Laut mehreren Quellen, die Publikative sei hier exemplarisch erwähnt, ist das nichts weiter als eine Versammlung von Rassisten, Nationalsozialisten und sonstigen diffusen Gruppierungen im rechtsextremen bzw. rechtspopulistischen Lager. Da er im Video einige Argumente erwähnt, die er auch im Interview geantwortet hat, gehe ich mal nicht auf das Video ein. Am besten schaut ihr euch das selbst an.

Jedenfalls bekommt man vom kurzen Googeln ein sehr klares Bild von der Person des Heriberts. Gehen wir nun also seine restlichen Antworten an.

2. Warum bist du in die Politik gegangen? Und warum in die AfD?

Erst einmal „patriarchalisch“, also „Männerherrschaft“ ist wohl eher das falsche Wort um den Führungsstil von Angela Merkel zu beschreiben. Ich hätte eher es als absolutistisch bezeichnet, aber nun gut.

Die Tatsache, dass er die CDU als sozialdemokratisch empfindet, ist schon mehr als witzig. Die Frage ist jetzt: Ist die CDU sozialdemokratisch geworden oder die SPD christdemokratisch? Letzteres kann ich verstehen, Ersteres nicht, denn auch wenn die CDU jetzt zusammen mit der SPD einen Mindestlohn eingeführt hat, so scheint es doch mit 8,50 € und gefühlten hundert Ausnahmen alles andere als sozial zu sein. Sprich, ich merke einfach davon nichts, dass man die CDU als sozial bezeichnen könnte, geschweige denn als demokratisch, aber so ist das nun mit Wahrnehmungen.

Er behauptet zwar kein Chauvinist zu sein, erwähnt aber, dass er ein deutscher Patriot ist. Laut Studien aus der Psychologie gibt es keinen guten Patriotismus. So sagt Christopher Cohrs von der Universität Jena: „Menschen mit patriotischen Einstellungen lehnen Nationalismus nicht ab. Vielmehr geht beides oft Hand in Hand.

Nach Daniel Bar-Tal von der Universität Tel Aviv können nur Menschen eine positive Entwicklung für ihr Land fördern, wenn sie Demokraten sind. Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer geht sogar noch weiter und sagt: “Die Bindung an das eigene Land fördert die Ablehnung von Fremden, die Präferenz für Demokratie vermindert sie hingegen”. Insofern kann er schon mal kein guter Demokrat sein, wenn er sein Vaterland, in welcher Form auch immer liebt.

Nun schließt er die Frage mit einem ganz interessanten Punkt. Dass im deutschen Vormärz „Populisten“ vom Staat verfolgt wurden, und dahin keiner mehr zurück will. Mal abgesehen vom geschichtlichen Blödsinn, dass er die Populisten von damals mit der rechtspopulistischen AfD vergleicht, ist es schon bezeichnend, dass er das tut, was diese „Schnullernazis“, wie Holger Klein sie so treffend nennt, gerne tun: Sich hier wieder in eine Opferrolle zu begeben. Sie dürfen ihre Meinung nicht sagen. Sie werden verfolgt. Sie werden gejagt. Die steigende Anzahl der angezündeten Asylbewerberunterkünfte sprechen da eine ganz andere Sprache.

3. Welche politischen Ziele verfolgst du in der AfD?

Bei mehr Elementen direkter Demokratie gehe ich mit. Das braucht Deutschland. Womit ich nicht mitgehe, ist, der Punkt mit der Eigenverantwortung. In der letzten Legislaturperiode im Bundestag gab es schon mal eine Partei, die in dieses Horn geblasen hat, nannte sich FDP. Die Älteren werden sich noch erinnern. Das ist klipp und klar Neoliberalismus. Klar ist es schön die Eigenverantwortung auch für Banken zu stärken, bzw. dass sie auch für ihre Schulden aufkommen und nicht der Steuerzahler. Nur klingt das für mich nicht alleine danach, sondern auch, dass die Sozialsysteme eingeschränkt werden. Und das kann ja nun keine Alternative in einem reichen Land wie Deutschland sein.

Klar, die EU ist jetzt nicht gerade die demokratischste Organisation in dieser Welt. Die Alternative kann aber nicht sein, dass wir zurück zu Kleinstaaterei und mehr Nationalstaaten gehen. Ich persönlich glaube, dass ein vereintes Europa, natürlich wesentlich demokratischer, ein sehr guter Weg ist.
Das Asyl und Einwanderung nicht miteinander vermischt werden sollte, damit gehe ich einher: Ersteres sollte nämlich schnell und unbürokratisch vonstattengehen. Dass wir aber Einwanderungskriterien vergeben, wer bei uns rein darf und wer nicht, erscheint mir nicht sinnvoll zu sein. Freizügigkeit mag zwar nur innerhalb eines Staates ein Menschenrecht sein, doch sollte sie auch weltweit gelten. Alles andere, wie z.B. Wartungskriterien, würde Menschen entmenschlichen und sie nur noch auf ihre Qualifikation reduzieren. Und Menschen sind so viel mehr als das.

Dass Ja zur Gleichberechtigung, aber das Nein zur Gleichstellung passt in sein konservatives Weltbild. Frauen dürfen zwar die gleichen Chancen wie Männer haben, aber bitte nicht gleich bezahlen. Frauen dürfen zwar in Männerberufe, dann aber nur nach Fähigkeit, die am Ende nie entscheidet. Witzig ist, dass er von „anderer sexuelle Orientierung“ spricht. Es gibt also für ihn, die heterosexuelle Orientierung und die „anderen“. Das „Andere“ hätte man hier einfach weglassen oder mit einem „jeglicher“ ersetzen können.
Für Familienförderung bin ich im Übrigen auch. Nur habe ich vermutlich eine völlig andere Definition von Familie als Heribert. Familie bedeutet für mich erst einmal, füreinander einzustehen und zu sorgen. Da ist es mir völlig egal, welche Formen das sind und derer gibt es viele.

4. Welche politischen Vorbilder hast du?

Vera Lengsfeld ist also sein Vorbild. Wir erinnern uns: Das war die Person, die mit „Wir haben mehr zu bieten“ zur Bundestagswahl 2009 antrat. Ohne Zweifel muss man ihr Respekt zollen für ihr Engagement als Bürgerrechtlerin in der DDR, dass sie sich jetzt aber für Publikationen wie für die Junge Freiheit schreibt, welches man im besten Falle als extrem konservativ bezeichnen kann und dann noch die PEGIDA-Bewegung verteidigt, lässt, sie in einem sehr schlechten Licht dastehen.

5. Welches politische Problem ist derzeit das, dass am dringendsten gelöst werden muss?

Wie oben bereits gesagt, hier stimme ich ihm zu.

6. Armut ist…?

Hier macht er einen Denkfehler. Es geht bei der Armutsbekämpfung nicht darum, dass alle mehr verdienen, sondern, dass die massiven Einkommensunterschiede sinken.

7. Warum muss es in dieser Welt Grenzen geben?

Naja, was jetzt daran so schlimm ist, wenn Deutschland aufhört, als Staat zu existieren, muss er mir auch einmal erklären. Natürlich darf das dann nicht von Deutschland alleine passieren, aber eine Welt ohne Länder und Grenzen erscheint mir erst einmal erstrebenswert.

8. Zuwanderung ist…?

Meine Meinung dazu steht oben.

9. Wahlrecht für alle? Oder doch lieber nur für Eliten?

Das stimmt nicht. In einigen Bundesländern ist aktives Wählen auch ab 16 möglich. Zumal man auch sein Wahlrecht aberkannt bekommen kann, z.B. aufgrund einer Straftat.

10. Lieber ein Europa mit Grenzen oder ein grenzenloses Europa?

Übersetzt: Wenn alle nach Europa kommen können, sterben mehr Menschen, weil wir das Geld nicht aufbringen wollen, sie im Mittelmeer zu retten. Und er hat ja nicht Unrecht, durch massive Abwanderung wird ein sogenannter „Braindrain“ in den betroffenen Ländern passieren. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie aus ihrem Land flüchten oder auswandern. Die Gründe dafür sind zum Großteil dem geschuldet, dass Europa und die westliche Welt, allen voran Deutschland, die „3. Welt“ massiv ausbeutet und sich dadurch seinen Luxus sichert. Insofern müsste man damit aufhören und den Arbeitern dort z.B. ordentliche Löhne zahlen. Das würde aber dafür sorgen, dass bei uns die Preise teurer werden und wir uns weniger Luxus leisten können, also auf Dinge verzichten müssen. Ich glaube nicht, dass er das will. Er will, so wie ich ihn einschätze einfach nur weiter sein Lebensstandard halten und vielleicht sogar noch verbessern.

11. Das schönste an eurem Wahlprogramm ist?

Und hier geht er, zum Abschluss, noch mal in die Opferrolle. Sinngemäß: „Fast hätte es durch die bösen Medien und die Altparteien kein Wahlprogramm gegeben!“ Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Fazit

Zusammenfassend will ich sagen, er ist sicher kein Nazi, aber auf alle Fälle ein „besorgter Bürger“.

Freitags-Frage-Runde: Heribert Eisenhardt (AfD)

Die AfD Lichtenberg hat sich bei mir gemeldet und möchte auch gerne an der Freitags-Frage-Runde teilnehmen. Ich muss zugeben, ich habe Bauchschmerzen, schon deswegen, weil ich persönlich ja noch Links neben der Linkspartei stehe und die AfD für mich nur am rechten Rand des Parteispektrums erkennbar ist. Aber dieser Blog hier heißt nicht Meinungsschauspieler, weil hier nur linke Meinungen erlaubt sind, sondern weil es ein Blog ist, in dem möglichst viele politische Richtungen zu Wort kommen sollen. So war die Gründungsidee und zu der muss ich auch stehen. Allerdings werde ich hier auch eine Grenze einziehen und sage jetzt deutlich, Parteien, die rechts neben der AfD stehen, werden hier keine Plattform bekommen. Dies aber nur als Vorwort, kommen wir jetzt zu den Fragen:

1. Wer bist du? Stell dich unseren Bloglesern doch erst einmal vor

1.Antwort: Heribert Eisenhardt, geboren 1962, zwei Kinder. Studium Maschinenbau/Landtechnik an der IHS Berlin-Blankenburg; Dipl.-Ing.; seit 2004 als Technischer Angestellter bei einer Bundeseinrichtung tätig.

2. Warum bist du in die Politik gegangen? Und warum in die AfD?

Antwort: Demokratie braucht nicht nur Vielfalt- entweder sie ist Vielfalt, oder sie ist eben nur Scheindemokratie. In unserer derzeitigen repräsentativen Parteiendemokratie ist echte konservative und liberale Politik in Berlin und zumindest auf Bundesebene nicht mehr vertreten. Die CDU wurde unter Angela Merkel zu einer, von ihr als Frau recht patriarchalisch (!) geführten, neben der SPD zweiten (sozusagen christ-)sozialdemokratischen Partei entwickelt. Ich bin liberalkonservativ und möchte in unserer Demokratie als Bürger und deutscher Patriot (garantiert nicht als Chauvinist) mein Land politisch mitgestalten. Die AfD entspricht für mich in ihrer derzeitigen Ausrichtung ziemlich genau der liberalkonservativen Parteienergänzung, die unsere Demokratie m.E. dringend braucht. Die nationalsozialistische NPD hat übrigens mit liberalkonservativ nun überhaupt nichts zu tun. Das übliche rechts-links Schema ist da hoffnungslos überholt. Die deutsche Politiklandschaft ohne eine liberalkonservative Partei im Bundestag ist europaweit eine Ausnahme und nicht die Regel. Der abwertend gemeinte und inflationär verwendete Begriff „populistisch“ für liberale bzw. konservative Parteien ist ein arroganter links-politischer Kampfbegriff, der dem Volk eigene demokratische Entscheidungsfähigkeit völlig abspricht. Nur mal nebenbei, „Populisten“ wurden im deutschen Vormärz (ca. ab 1822) schon mal vom Staat verfolgt. Es gab die sogenannte „Demagogenverfolgung“ gegen „Volksverführer“ mit staatlicher Zensur und Verfolgung etc. pp.. Ein Karl Marx kritisierte das damals auf das heftigste. Dahin will doch wohl keiner zurück?

3. Welche politischen Ziele verfolgst du in der AfD?

liberale Ziele:

– mehr Elemente direkter Demokratie in Form von Volksabstimmungen auf Bundesebene (siehe GG Art. 20(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen … ausgeübt. )

– Eigenverantwortung der Bürger und Unternehmen (incl. Banken!) stärken und Regelungswut des Staates, also der Politik begrenzen. Der Staat ist zuerst für den Schutz seiner Bürger da. Er setzt wirtschaftlich günstige Rahmenbedingungen incl. z.B. Antitrustgesetzen, greift aber nicht direkt in die Wirtschaft ein, auch nicht zur Bankenrettung.

konservative Ziele:

Keine Abgabe der nationalen Souveränität an eine wesentlich undemokratischere EU. Ich bin sehr für eine intensive Zusammenarbeit eigenverantwortlicher Nationalstaaten in Europa.

– Keine Vermischung von Asyl-/Flüchtlingsthematik mit Einwanderung. Beides soll es geben. Ersteres leidet unter Vollzugsdefiziten, letzterer fehlt ein Einwanderungsgesetz mit Wertungskriterien (z.B. Kanadisches Modell)

– Für Gleichberechtigung von Frauen, von verschiedenen Ethnien, von Menschen mit anderer (nichtkrimineller) sexueller Orientierung, aber gegen Gleichstellung (Quoten etc.),

– Familienförderung statt Frauenförderung und Gender Mainstreaming (als nicht bewiesener These). – Für Religionsfreiheit incl. Freiheit von Religion, aber aus Religionszugehörigkeiten dürfen z.B. keinerlei Sonderrechte erwachsen.

4. Welche politischen Vorbilder hast du?

Politisches Vorbild: Vera Lengsfeld, 89-er-Bürgerrechtlerin, die sich ihren alten Mut bewahrt hat, aber die von den Grünen zu heute liberalkonservativen Positionen gekommen ist.

5. Welches politische Problem ist derzeit das, dass am dringendsten gelöst werden muss?

Unsere repräsentative Parteiendemokratie repräsentiert nicht mehr den Meinungsquerschnitt, der in der Gesamt-Bevölkerung (also laut GG dem Souverän) vorhanden ist. Deshalb muss die

repräsentative Parteiendemokratie durch Elemente bundesweiter direkter Demokratie (Volksabstimmungen) ergänzt werden, sonst findet durch die etablierten Parteienkartelle eine weitere schleichende Entdemokratisierung in Richtung Postdemokratie statt. Das darf nicht geschehen. Auch die Wahlbeteiligung sinkt kontinuierlich, was unsere Parlamentsparteien aber nicht sonderlich kratzt. Damit, also mit mehr direkter Demokratie würden sich m.E. dann andere aktuelle Probleme schrittweise demokratisch von selbst lösen.

6. Armut ist…?

Lt. Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Februar 2015: Wer weniger als 60 % des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung hat. Für eine vierköpfige Familie wären das also derzeit weniger als netto 1873 Euro im Monat. Das ist ein „relativer Armutsbegriff“. In dieser Rechnung würde die Armut nicht einmal verringert, wenn alle Deutschen plötzlich das Doppelte verdienten.

7. Warum muss es in dieser Welt Grenzen geben?

Ob es auf der Welt Grenzen gibt oder nicht haben wir Deutschen nicht zu entscheiden, sondern die Völker der jeweils anderen Staaten. Aber für Deutschland sollte das der Souverän, das deutsche Volk entscheiden. Wenn das Volk sich z.B. dafür entscheidet die deutschen Grenzen aufzuheben, dann hört Deutschland nach der Staatendefinition, wonach Grenzen ein wesentliches Merkmal eines Staates sind (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Elemente-Lehre ) auf als Staat zu existieren. Das möchte ich nicht. Wenn aber wirklich in direkter Demokratie so entschieden würde, müsste ich es akzeptieren. Eine solche Entscheidung als repräsentative Parteienentscheidung würde ich allerdings nie akzeptieren.

8. Zuwanderung ist…?

Antwort: …für mich das gleiche wie Einwanderung die nach einem Einwanderungsgesetz mit Wertungskriterien (z.B. Kanadisches Modell) geregelt erfolgen sollte. Zuwanderung ist jedenfalls etwas anderes als die Asyl-/Flüchtlingsthematik. Der Begriff Migration soll beides, Zu- bzw. Einwanderung und Asyl-/Flüchtlingsthematik vermischen.

9. Wahlrecht für alle? Oder doch lieber nur für Eliten?

Antwort: Wahlrecht gibt es für alle deutschen Bürger ab 18. Das sollte auch so bleiben.

10. Lieber ein Europa mit Grenzen oder ein grenzenloses Europa?

Antwort: Europa mit gut gesicherten Außengrenzen. Ein grenzenloses Europa würde vor allen Dingen falsche Zeichen an kriminelle Schlepper setzen. Dabei ist nicht nur das Abwandern von körperlichen und geistigen Ressourcen ein Problem für die Afrikanischen Länder, sondern auch die gefährlichen Routen, die bezwungen werden müssen. Bei einem grenzenlosen Europa würden noch mehr Menschen kommen, das heißt aber leider auch: es würden dadurch vermutlich noch mehr im Mittelmeer ertrinken. Das kann ja wohl keiner wollen. Wenn Europa nicht in der Lage ist, seine Außengrenzen zu sichern, dann sollte man nach einer Volksabstimmung wieder dazu übergehen, die nationalen Grenzen zu sichern, so wie es Dänemark bereits kurzfristig eingeführt hatte.

11. Das schönste an eurem Wahlprogramm ist?

Antwort: Wahlprogramme sind immer Kompromisse und deshalb nur bedingt schön. Das schönste ist, dass es uns trotz massivster Anfeindungen seitens der Medien und der Altparteien überhaupt

gibt und vermutlich noch recht lange geben wird. Mit unserem Wahlprogramm gibt es endlich eine echte liberalkonservative Alternative zu den Altparteien.

Das wirklich wahre Problem der Piraten

Sven ist an mich getreten und hat mich darum gebeten, einen Artikel für diesen Blog zu schreiben. Da ich selbst Mitglied der Piratenpartei bin und er nicht wenige Artikel über die Piraten geschrieben hat, dachte ich mir, dass es von Vorteil wäre, mal einen Insider-Bericht loszulassen. (C.Beuster)

Piraten sind laut. Piraten sind störend. Piraten legen ihren Finger da in die Wunde, wo es wehtut. Vor allem sind sie misstrauisch gegen die Obrigkeit. Und genau hier liegt eines der Probleme.

Piraten trauen generell keinen Vorständen. Und weil das so ist, werden Vorstände wegen jeden kleinen Mist, den sie veranstalten fertiggemacht. Daraus resultiert, dass diese Vorstände noch mehr Mist machen, da sie nicht mit dem Druck umgehen können. Was bedeutet, dass die Basis den Druck auf die Vorstände erhöht. Und wären in den Vorstandsämtern auch keine Menschen, sondern Roboter, so könnte man hier vom Perpetuum mobile des Shitstorms sprechen. Aber leider sind es doch Menschen. Menschen, die nicht lange den Druck gewachsen sind und irgendwann die Schnauze voll haben und zurücktreten.

Es ist jetzt nicht so, dass das neu ist bei den Piraten. Im Gegenteil. Seitdem ich Mitglied bin, kann ich mich daran erinnern, dass es immer so lief. Vorstand tritt an, wird fertiggemacht, hält durch oder tritt zurück. Und die Presse schreibt ihren Bericht darüber. Was mich zum nächsten Problem führt: die Berichterstattung. Ich will nicht sagen, dass die Medien uns niederschreiben wollen. Im Gegenteil, ich glaube, dass sie das mit allen Parteien so machen, nur, in keiner anderen Partei, als den Piraten sind die Debatten und Streitereien so öffentlich und transparent. Es ist für die Journalisten ein Einfaches sich die schlimmsten Diskussionen herauszusuchen und darüber zu berichten. Eigentlich die perfekte Arbeit: Man macht Twitter an, schaut eins, zwei Stunden zu und schreibt, nachdem man ein paar Tweets der Bundes- und Landesvorstände gelesen hat seinen Artikel dazu.

Was zum dritten Problem der Piraten führt, die Unfähigkeit sich an seine eigenen Wahlsprüche zu erinnern. Es heißt in jedem Wahlkampf: „Informiere dich selbst!“ Und was machen die Piraten? Sie stürzen sich auf jedes Bisschen, was im Spiegel, der Welt oder Focus steht und stürzen sich wieder auf die Person, die es vermeintlich zu verantworten hat, ohne auch nur einmal den Anschein zu erwecken, sie würden sich inhaltlich damit auseinandersetzen.

Problem Nummer vier. Inhalte werde viel zu gering eingeschätzt. Lieber beschäftigt man sich in zehnter Debatte, meistens Mailingliste mit der Neuwahl des Bundesvorstandes oder der Personalie der Listenkandidaten. Auf inhaltliche Fragen kommen kaum antworten und wenn, dann artet die Diskussion derart aus, dass am Ende einer weint.

Dennoch würde ich die Piraten niemals verlassen wollen. Die Probleme die ich gerade geschildert habe betreffen nur die Lautesten und Aggressivsten. Ich habe hier auch Menschen kennengelernt, die gut arbeiten, inhaltlich, wie organisatorisch und würde sie um alles in der Welt nicht missen wollen, denn würde ich austreten, dann würde ich den Schwachmaten ja das Feld überlassen und das will ich nicht.