Verantwortung? – Nein, danke!

+Sven Buchien ICH muss keine Verantwortung übernehmen….ich kaufe weder bei kik noch bei takko, noch bei anderen solchen Marken….aber es wäre mir auch senkrecht Wurscht, weil es eben nicht meine Verantwortung ist, da kann der Deutsche Gutmensch noch so viele moralische Gründe suchen ……

 

Quelle: Seevers Reinhard bei Google+

Ich habe jetzt mehrere Tage überlegt, ob ich einen Artikel dazu schreibe. Nicht nur zu dem, was ich oben zitiert habe, sondern insgesamt zu den Kommentaren, die unter dem Artikel von Bündnis90/Die Grünen zu finden sind. Da mir das Thema aber nicht mehr aus dem Kopf ging, werde ich jetzt doch noch einen Artikel dazu schreiben.

Dass ich von den meisten Konservativen als Gutmensch beschimpft werde, bin ich inzwischen gewohnt. Dass sich diese Menschen damit selbst als „Schlechtmenschen“ abstempeln, ist denen anscheinend noch nicht aufgefallen. Darum geht es aber nicht wirklich, sondern es geht um die Verantwortung, die jeder von uns hat. Die Verantwortung anderen Menschen gegenüber, die nicht in unserem unmittelbaren sozialen Umfeld zu finden sind. Die Menschen in anderen Ländern, die für unseren Wohlstand und unseren Geiz ausgebeutet werden.

In den Augen der Konservativen ist jeder selbst für sein Glück verantwortlich. Jeder, der Reich ist, hat sich das auch verdient, und umgedreht ist jeder der Arm ist, auch selbst für diese Situation verantwortlich. Um das zu bestätigen, brauchen wir gar nicht aus Deutschland raus gehen, wir brauchen uns nur die Hartz-4-Empfänger ansehen. Die sind nicht im Hartz-4-Bezug, weil ihre Arbeitsplätze wegrationalisiert wurden und es keine Arbeitsplätze gibt, für die diese Menschen qualifiziert sind. Nein, sie sind im Hartz-4-Bezug, weil sie faul sind, weil sie die Gesellschaft ausnehmen und sie sich in der sozialen Hängematte ausruhen. So denken zumindest die Konservativen, von denen es leider viel zu viele gibt.

Bei diesen Aussagen erkennen sie noch nicht einmal, dass ihre eigene Politik dafür verantwortlich ist. Die Politik der freien Märkte, die nur nicht überreguliert werden dürfen, damit sich der Wohlstand in der ganzen Bevölkerung verteilt – wobei hier die ganze Bevölkerung anscheinend nur die oberen 10 Prozent sind. Durch diese Politik, und durch die neuen Entwicklungen im Kommunikationsbereich (Internet, E-Mail, Telefon), wurde die Globalisierung zum Jobkiller in Deutschland. Es wurden genau die Jobs wegrationalisiert, die jetzt den Arbeitslosen hier in Deutschland fehlen. Dieser Entwicklung hätte entgegengewirkt werden können. Nicht unbedingt dadurch, dass diese Jobs in Deutschland gehalten werden, sondern durch einen besseren Bildungszugang für alle. Kostenlose Erwachsenenbildung, die wirklich sinnvoll ist und die die Betroffenen für den Arbeitsmarkt qualifizieren. Dazu gehört auch, dass es den Menschen ermöglicht wird, einen Schulabschluss nachzuholen, ohne ihnen gleichzeitig mit Sanktionen zu drohen, wenn sie deswegen ein Jobangebot nicht annehmen. Natürlich gehört dazu nicht nur ein besserer Bildungszugang für Erwachsene, sondern auch für die Kinder aus armen Familien. Kostenlose Nachhilfe, besserer Zugang zu Schulbüchern und Bibliotheken. Außerdem muss auch gewährleistet werden, dass arme Kinder nicht sozial ausgegrenzt werden, dass sie in Vereine gehen können oder dass sie auch mal mit ihren Freunden ins Kino können. Die Menschen müssen für die Globalisierung fit gemacht werden, denn diese Entwicklung wird sich nicht aufhalten lassen.

Aber das ist nicht die einzige Verantwortung, die wir als Konsumenten übernehmen. Wir sind ebenso für die Menschen verantwortlich, die unseren Konsum ermöglichen. Also auch für die Menschen, die in Bangladesch ihr Leben gelassen haben, weil sie in einem Gebäude Textilien für uns hergestellt haben, das nicht sicher war. Wir leben in einer globalisierten Welt, und vieler unserer Entscheidungen wirken sich eben auch global aus, nicht nur national, wie viele Konservative denken.
Das hat übrigens auch nichts damit zu tun, dass ich die Menschen in diesen Ländern für doof halte, oder für Wilde, wie es ja in einem Kommentar gesagt wurde. Nein, ich halte diese Menschen für abhängig vom Kapital, so wie wir es in Deutschland auch sind. Die Regierungen in diesen Ländern können nicht einfach die Standards beim Arbeits- und Umweltschutz verbessern, weil sie dadurch ihren Standortvorteil aufgeben. Die Unternehmer würden in andere Länder weiterziehen, in denen sie weiterhin billig produzieren können, weil die Standards niedriger sind. Jede Verbesserung im Arbeits- und Umweltschutz, die durch die dortigen Regierungen umgesetzt werden würden, würden dazu führen, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Dazu haben nicht einmal die deutschen Politiker den Arsch in der Hose, die in Deutschland den Niedriglohnsektor gestärkt haben, damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Soweit denken die Konservativen aber nicht. Sie sehen die Verantwortung bei den zuständigen Regierungen und nicht bei den Konsumenten. Wenn die Regierungen in den Ländern nichts tun, dann sind sie doch selbst dran schuld, eine Abhängigkeit vom Kapital ist doch gar nicht gegeben, wenn man den Konservativen glauben darf. Dasselbe gilt für die Arbeiter in diesen Ländern, die sich doch freiwillig ausbeuten lassen und die doch froh sein müssen, dass westliche Unternehmen dort überhaupt Arbeitsplätze schaffen. Der Konsument hat also gar keine Verantwortung und er muss auch nicht dafür sorgen, dass sich die Arbeitsbedingungen in diesen Ländern verbessern, indem er durch sein Kaufverhalten druck auf diese Unternehmen aufbaut.

Dasselbe gilt übrigens für Wasserquellen in Afrika. Dass die Menschen dort nicht genügend Trinkwasser haben, kann uns doch egal sein, denn die Lizenzen für die Trinkwasserquellen wurden legal erworben und deswegen ist es gar nicht schlimm, wenn wir hier in Europa das Wasser aus Afrika trinken, obwohl bei uns das Trinkwasser aus den Wasserleitungen kommt. Wenn die Afrikaner ihre Wasserquellen verkaufen, dann sind sie doch selbst dran schuld, denn auch Afrika ist doch nicht vom Kapital der großen Unternehmen abhängig. Wenn die Menschen dort verdursten, haben wir doch keine Verantwortung, auch wenn wir gerade eine teure Flasche Mineralwasser aus Afrika kaufen, um unseren Durst an heißen Sommertagen zu stillen.

Dieses Wegschieben von Verantwortung regt mich auf. Jeder Kommunist wird dafür verantwortlich gemacht, dass in kommunistischen Ländern, in denen nie Kommunismus geherrscht hat, Millionen von Menschen ihr Leben gelassen haben. Aber der Kapitalist ist für nichts verantwortlich. Alle Opfer des Kapitalismus sind selbst für ihre Lage verantwortlich und unserer Wohlstand ist niemals auf den Rücken anderer Menschen entstanden, die dafür Hunger und Armut erleiden mussten. Kapitalisten und Konservative sind moralisch immer ohne Verantwortung, und wenn es ihnen selbst schlechtgeht, dann sind die Armen, die Hartz-4-Empfänger, die Sozialschmarotzer verantwortlich. Denn dann ist plötzlich nicht mehr jeder für sich selbst verantwortlich, dann liegt die Verantwortung plötzlich bei anderen. Konservative haben nämlich nie Verantwortung….

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3 Gedanken zu „Verantwortung? – Nein, danke!

  1. Lieber Sven, sortiere erst einmal deine Vorturteilskette, und wenn du dann alle dir nicht genehmen Meinungen einer Gruppe zugeordnet hast, dann können wir evtl. wieder reden…bis dahin lmaA….

    • Meine Vorurteile sind keine Vorurteile, sondern gesammelte Meinungsaussagen von Konservativen. Dass das natürlich nicht auf jeden pauschal zutrifft, ist mir klar, aber Linke werden ja auch pauschal als Gutmenschen abgestempelt.

      • ….ich weiß nicht wer Linke als Gutmenschen bezeichnet, ich bezeichne nur Gutmenschen als Gutmenschen, unabhängig von Religion, Partei oder Hautfarbe…aber wenn du das meinst, wirds wohl stimmen….sicher sogar!

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