Absolute Mehrheit – keine „Anti-Talkshow“

Vor einer Woche lief die erste Folge von Stefan Raabs neuer „Anti-Talkshow“. So ganz hat sich mein erster Eindruck nicht gelegt. Auch sechs Tage nach der Premiere bin ich eher enttäuscht als überzeugt.

Die Sendung war alles in Allem unterhaltsam. Leider kam die Debatte zu den Themen Steuerpolitik/Vermögensverteilung, Energiewende und Internet, durch die kurze Sendezeit bei drei Themenblöcken, nicht über die Nennung von Schlagwörtern und kurzen Abrissen der Parteiprogramme hinaus. Damit war sie kein bisschen informativer als jede andere Talkshow im deutschen Fernsehen auch.

Höhepunkte dafür lieferten Kubicki mit einer ungemein profilierten Forderung: “Die Preise müssen sinken” (gemeint war der Strompreis) und Verena Delius (parteifreie Unternehmerin) mit ihrer Bereitschaft, mehr Steuern zahlen zu wollen, wenn der Staat vernünftig damit umginge.

Apropos unausgereiftes Konzept: Michael Fuchs (CDU) hatte das Konzept der Sendung anscheinend nicht verstanden und verpasste es in der ersten Runde zu reden. Was nicht nur unklug ist, sondern auch nicht ganz stimmt. Einmal wollte er reden wurde von Raab aber rüde unterbrochen, damit das in Raabs Shows üblicherweise zu gewinnende Auto vorgestellt werden konnte. In der Konsequenz schied Fuchs, der als Fachmann für Wirtschaftspolitik und auch die Energiewende gilt (vorgesehen für Runde zwei), auch schon in Runde eins aus. Die Internetfachfrau Verena Delius machte es Fuchs nach und qualifizierte sich durch Schweigen nicht für Ihre Fachrunde „Internet“, die als drittes aufgerufen wurde.

Beide durften jeweils weiter diskutieren, ihre Meinungen waren für das „Ranking“ ab dem Ausscheiden ohne Bedeutung.

Was man Raab positiv anrechnen muss. Er schaffte es – trotz sichtlicher Nervosität zu Beginn – die Politiker auf ein weniger hohes Politikersprech-Niveau zu bringen. Zumindest fiel das Wort “krass” deutlich häufiger als bei Anne Will oder Günther Jauch. Für mich reicht das „bisher“ nicht, damit die Sendung zum festen Bestandteil meiner politischen Information wird.

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Ein Gedanke zu „Absolute Mehrheit – keine „Anti-Talkshow“

  1. Der Fehler war, dass er die Themenrunden immer unterbrochen hat, um irgendwelche Trends einzuholen oder Werbung zu machen. Außerdem sollte man, wenn man die drei Themenblöcke beibehalten will, die Sendezeit verlängern.

    Weiterer Punkt ist, dass nach der ersten Runde keiner ausscheiden sollte und eher nach der zweiten Runde dann die letzten beiden. Dann könnten alle erst einmal warm werden.

    Er muss also noch ein wenig schrauben, aber Potential ist auf jeden Fall da.

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